Neue Westfälische (Bielefeld): Anschläge von Brüssel Weckruf für Europa Carsten Heil

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Nur selten war Europa wichtiger als heute. Noch
wichtiger ist die europaweite Bereitschaft zu absoluter
Zusammenarbeit. Bei der Flüchtlingsproblematik können sich einzelne
Nationalstaaten noch versuchen herauszuhalten, bei der Terrorabwehr
wird das nicht mehr funktionieren. Jedenfalls nicht so, dass
diejenigen, die sich zurückhalten, schadlos bleiben. Was in Paris und
Brüssel geschehen ist, kann morgen oder in sechs Monaten genauso in
Berlin, Warschau, Budapest oder jeder anderen europäischen Großstadt
passieren. Nur eine reibungslose, schlanke und sehr enge
Zusammenarbeit aller Geheimdienste und Polizeibehörden in ganz Europa
wird diese Gefahr verringern. Wohlgemerkt nur verringern, nicht
ausschließen. Das macht die Dringlichkeit deutlich. Ein Schritt: Die
Daten potenzieller Attentäter müssen ausgetauscht werden. Die
Sicherheitskräfte müssen Bewegungsprofile von Verdächtigen erstellen
über alle Grenzen hinweg. Derzeit verhindern Eifersüchteleien,
Misstrauen und Geheimniskrämerei diese Zusammenarbeit. Der intensive
Datenaustausch ist aber der Preis, den Europa für die Freiheit
bezahlen muss – ein Preis, der es wert ist. Denn um die Freiheit
Europas zu verteidigen, das liberale Lebensgefühl zu erhalten, die
offene Gesellschaft zu bewahren und Sicherheit weitgehend zu
garantieren, sollten wir bereit sein, etwas zu bezahlen. Nun belegt
jedoch die Lebenserfahrung, dass Zusammenarbeit auf einem Gebiet, bei
Rivalität oder Abneigung auf dem anderen nur schwer möglich ist.
Deshalb sind ein stärkeres europäisches Bewusstsein und eine
europäische Solidarität, die weit über die Terrorbekämpfung
hinausgeht, bitter nötig. Die gemeinsame Bereitschaft, die Euro- und
Finanzkrise einzudämmen, die Einsicht das Flüchtlingsthema nur
zusammen zu bewältigen, die Überzeugung, dass wir in Europa eben so
leben, wie wir leben wollen, wären eine gute Grundlage dafür. Leider
gibt es in diesen Bereichen extreme Defizite. Das macht Europa
schwach. Deshalb sollten die Regierungen der EU-Mitglieder darüber
nachdenken, ob nicht auch bei Flüchtlingen sowie der Finanz- und
Wirtschaftskrise mehr gemeinsam gehandelt werden könnte. So schlimm
die Anschläge sind, so könnten die feigen Morde doch ein Weckruf für
Europas Zusammenarbeit sein. Es wäre die richtige Antwort auf die
Verbrechen.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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