Neue Westfälische (Bielefeld): Der Mob macht mobil gegen Flüchtlinge Fragen des Anstands THOMAS SEIM

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Auf einer dieser Plattformen im Internet gibt es
ein noch nicht so altes Schlagwort, das auch für die Vorgänge in
Clausnitz, Bautzen und sonst wo taugt: „wirristdasVolk“. Es ist eine
Persiflage auf die Parole „Wir sind das Volk“ der friedlichen
DDR-Revolution 1989. Leider passt es auch auf die Ereignisse des
Wochenendes, auf die widerlichen, menschenverachtenden
Zusammenrottungen von Ausländerfeinden, Wirrköpfen, Alkoholisierten
und Menschen mit hoher krimineller Energie und wenig eigenem Antrieb.
Auch sie riefen „Wir sind das Volk“ und verrieten die eigene
Geschichte. Man könnte es dabei belassen und müsste sich nicht weiter
bekümmern, würde hier nicht zum zweiten Mal seit der deutschen
Einheit – nach 1992 in Rostock-Lichtenhagen – der deutsche Mob
versuchen, den öffentlichen Diskurs an sich zu reißen. Man könnte es
dabei bewenden lassen, würden nicht an dieser Stelle plötzlich die
kränkelnden Wahlbewerber um die Ministerpräsidenten-Posten in
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz versuchen, ihr landespolitisch
fades Süppchen mit Außen- und Bundespolitik irgendwie doch noch
scharf zu machen. Die Forderung der CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf
und Julia Klöckner nach nationalen Lösungen für die Bewältigung der
drängenden Flüchtlingssituation sind schädlich für dieses Land, weil
sie die europäische Einigung beschädigen, von der Deutschland mehr
als alle anderen EU-Mitglieder wirtschaftlich profitiert. Sie
desavouieren als Spitzenkandidaten der CDU die CDU-Bundeskanzlerin
Angela Merkel in ihren Verhandlungen mit den Nachbarn und der Türkei.
Und sie tragen nichts, aber auch gar nichts zur Bewältigung der
Herausforderungen bei, die sich mit der Kriegslage in Syrien und der
daraus resultierenden Flüchtlingssituation ergeben haben. Man darf,
muss der Kanzlerin gegen die eigenen Parteifreunde beispringen. Vor
ein paar Tagen hat sich Merkel gegen ihre Kritiker und deren Hinweis
auf das Leben vor Schengen und der Abschaffung der Grenzkontrollen so
zitieren lassen: „Es gab auch ein Leben vor der Einheit. Da waren die
Grenzen noch besser geschützt.“ Dieser ironische Hinweis ist
berechtigt. Er richtet sich an die CDU. Noch ist Gelegenheit genug
für die Kanzlerpartei, sich einem Aufstand der Anständigen
anzuschließen, der die Parolen der Demokratie- und Flüchtlingsfeinde
in die Schranken weist. Aber viel Zeit ist nicht mehr. Diese
Anständigen nämlich, wir Anständigen, sind das Volk. Und die
Mehrheit.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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