Neue Westfälische (Bielefeld): Eklat beim Detmolder Auschwitz-Prozess Bedauerlicher Stimmungsumschwung Dirk-Ulrich Brüggemann

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Es war keine leichte Entscheidung für die
Schwurgerichtskammer des Detmolder Landgerichts unter Vorsitz von
Anke Grudda, den eigens aus den USA mit seinen zwei Töchtern
angereisten Zeitzeugen Joshua Kaufman im Auschwitz-Prozess nicht zu
hören. Die Kammer hat um den Entschluss gerungen, anders lässt sich
die fast einstündige Beratungspause nicht erklären. Aber mit der
Tatsache, den 88-Jährigen nicht in den Zeugenstand zu rufen, hat das
Gericht auch ein Signal gesetzt. Es kann nicht angehen, dass der
Anwalt eines Nebenklägers einfach einen Zeugen zum Verhandlungstag
mit in den Gerichtssaal bringt, diesen Platz nehmen lässt und dann
einen Beweisantrag stellt, diesen Mann in den Zeugenstand zu rufen.
Das Gericht auf diese Weise moralisch unter Druck zu setzen, stieß
auch vielen Beobachtern sauer auf. Die Entscheidung des Gerichts, auf
diesen Zeugen zu verzichten, ist letztlich richtig. Richterin Anke
Grudda hat zudem sehr deutlich gemacht, dass die Ablehnung des Zeugen
„nichts zu tun hat mit dem Respekt vor den Opfern“. Insgesamt ist der
Befangenheitsantrag des Münchener Rechtsanwalts Christoph Rückel nur
schwer nachvollziehbar. Das wird auch der Grund sein, warum nur
wenige Nebenklägeranwälte den Antrag spontan unterstützt haben. Es
ist sehr schade, dass die bisher sehr sachliche Stimmung im
Auschwitz-Prozess jetzt umgeschlagen ist. Die sehr souverän agierende
Richterin Grudda hat das jedenfalls nicht verdient.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
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nachrichten@neue-westfaelische.de

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