Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Arbeitnehmer sollen Recht auf befristete Teilzeit bekommen Teilzeitfalle Carolin Nieder-Entgelmeier

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Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will
das Recht auf zeitlich befristete Teilzeit gesetzlich verankern.
Arbeitnehmer sehen dafür keinen Bedarf und warnen vor einem
Bürokratieanstieg. Gewerkschaften fordern eine schnelle Umsetzung und
befürworten weitere staatliche Beschränkungen. Zwischen diesen
extremen Positionen steht der Gesetzentwurf in der ohnehin emotional
aufgeladenen Debatte über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Grundsätzlich bietet die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten,
Hunderttausenden Arbeitnehmern die Möglichkeit, die Arbeitszeit
flexibel zu gestalten. Vielen Frauen und auch einige Männer nutzen
das Arbeitszeitmodell, um trotz der Erziehung von Kindern, der Pflege
von Angehörigen oder dem Einsatz im Ehrenamt berufstätig zu sein und
den Anschluss trotz anderer Verpflichtungen nicht zu verlieren. Doch
wenn Teilzeitbeschäftigte nicht mehr zurück in die
Vollzeitbeschäftigung kommen, wird aus dem Teilzeitglück eine
Teilzeitfalle. In dieser Falle stecken überwiegend Frauen. Fast 80
Prozent der Teilzeitbeschäftigten in Deutschland sind weiblich, weil
sich in den meisten Familien die Frauen für die Kindererziehung
beruflich einschränken. Das führt nicht immer nur zu Karriereknicks
im eigentlichen Beruf, sondern auch zu Jobwechseln. Denn obwohl
viele, insbesondere große Unternehmen erklären, dass Teilzeit auf
allen Hierarchiestufen möglich ist, müssen Frauen, die auf Teilzeit
angewiesen sind, in Branchen wechseln, in denen das Modell angeboten
wird. Und das sind häufig schlecht bezahlte Jobs. In Teilzeitjobs
verdient man im Schnitt vier Euro weniger pro Stunde, als in
Vollzeitjobs. So führt das Arbeitszeitmodell Teilzeit, wenn
Beschäftigte nicht mehr zurück zu Vollbeschäftigung kommen, nicht nur
zu Unzufriedenheit, sondern auch zu Existenzproblemen und Altersarmut
bei den Betroffenen und zu einer Verschärfung des sowieso schon
eklatanten geschlechtsspezifischen Lohnunterschieds. Um insbesondere
Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht länger zu diskriminieren, sollte
das Vorhaben von Nahles der Anlass dafür sein, die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf politisch insgesamt zu erleichtern.

Pressekontakt:
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