Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Bundeskanzlerin Merkel strebt Wiederwahl an Auf Kohls Spuren THOMAS SEIM

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Deutschland ist nicht wirklich überrascht, dass
Bundeskanzlerin Angela Merkel im Amt bleiben und eine erneute
Kandidatur für 2017 anstreben will. Warum auch nicht? Wir befinden
uns in einer Wohlfühl-Arena, wie wir sie in der bundesdeutschen
Geschichte selten erlebt haben: Wirtschaft stabil, Finanzen
ebenfalls, Deutschland und die Deutschen weltweit geachtet, Regierung
der Großen Koalition friedlich. Noch vor nicht allzu langer Zeit
gingen viele davon aus, dass die Wähler 2017 bis zu sechs Parteien in
den Bundestag schicken würden. Schon wurde über eine neue große
Koalition, vielleicht eine Vier-Parteien-Koalition oder gar einer
Minderheitsregierung, spekuliert. Nichts davon ist geblieben. Die AfD
hat sich aufgespalten. Der FDP kann den positiven Trend aus den
Ländern bundesweit nicht stabilisieren. Die SPD scheint festgenagelt
an der 25-Prozent-, Grüne und Linkspartei an der 10-Prozent-Marke.
Die Deutschen wollen keine Veränderung. Das ist indes auch das Risiko
aller Kandidaturen für 2017. Schon einmal lag Mehltau überm Land, als
1996/97 der Altkanzler Helmut Kohl sich zu einer fünften Amtszeit
anschickte. Kohl war zu dieser Zeit auf der Höhe seiner Akzeptanz und
Macht – und wurde doch abgewählt. Merkel, die das selbst damals
miterlebte, weiß das genau. Sie wird gleichwohl auf Kohls Spur
bleiben und kandidieren müssen. Es gibt keine andere Persönlichkeit,
die derzeit das Vertrauen der Wähler so auf sich zieht. Das ist das
Problem der SPD, die sich bereits eine Debatte leistet, ob es
überhaupt Sinn macht, einen Kandidaten – oder eine Kandidatin – gegen
die Kanzlerin ins Rennen zu schicken. Das ist aber auch das Risiko
Merkels und der Union: Hinter der Kanzlerin nämlich ist auch in der
größeren Volkspartei niemand, der das Vertrauen der Wähler besitzt.
Wäre also am Sonntag Wahl, wäre alles entschieden. Noch aber sind es
etwas mehr als zwei Jahre bis dahin. Oder frei nach des Dichters
Wort: Der Vorhang auf – und alle Fragen offen.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
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nachrichten@neue-westfaelische.de

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