Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Debatte um Jerome Boateng Schäbiger Gauland, schäbige AfD Thomas Seim

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Nun ist die Empörung groß. Alexander Gauland,
der stellvertretende Vorsitzende der angeblichen Alternative für
Deutschland – AfD – hat den Weltklasse-Innenverteidiger der deutschen
Fußball-Nationalmannschaft beleidigt. Rassistisch beleidigt. Unseren
(!) Jerome Boateng. Warum tut ein nationalkonservativer bis
rechtsradikaler deutschtümelnder Rückstandspolitiker wie Gauland, der
eher zum 19. Jahrhundert als in die Gegenwart passt, das? Die AfD und
mit ihr der Vize Gauland haben ein Problem. In den kommenden Wochen
werden sich die Deutschen hinter der Weltmeistermannschaft des
Deutschen Fußballbundes versammeln. Als Fans. Sie werden jubeln und
bangen – und hoffentlich nie trauern. Aber auf gar keinen Fall werden
sie die Zugehörigkeit von Jerome Boateng oder gar Mesut Özil, der
sich erst kürzlich vor der Kaaba in Mekka fotografieren ließ, zum
deutschen Team in Zweifel ziehen. Denn die Integrationspolitik
zunächst der rot-grünen Regierung Gerhard Schröders – damals noch
gegen den Widerstand eines rechtsnationalen und deutschtümelnden
hessischen CDU-Vorsitzenden Roland Koch – hat die gesellschaftlichen
Verhältnisse in Deutschland verändert. Die alte
Blut-und-Boden-Staatsangehörigkeit der Nationalkonservativen in
Deutschland gibt es nicht mehr. Deutsch ist nicht nur, wer deutsche
Eltern hat, sondern auch der- oder diejenige, die hier geboren
werden, aufwachsen, hier ihre Heimat haben. Damit ist der beliebteste
Sport dieses Sommers – der Fußball – ungeeignet für
nationalkonservative Propaganda, wie sie Alexander Gauland betreibt.
Das – und nichts anderes – ist der Grund dafür, dass Gauland mit
seinen Äußerungen vom Wochenende versucht, die deutsche
Nationalmannschaft zu spalten. Zu spalten in jene, die nach Ansicht
des stellvertretenden Chefs der AfD, also beliebte Deutsche sind, und
jene, die man als Sportler notgedrungen für den Erfolg akzeptieren
muss. 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin warf Joseph Goebbels
für die deutsche NSdAP-Regierung bis auf einen Eishockey-Spieler und
eine Fechterin als Alibi die deutschen Staatsbürger jüdischen
Glaubens aus der Mannschaft. Die farbigen US-Bürger wurden nur
notgedrungen als Teilnehmer im Stadion respektiert. Heute wäre eine
Propaganda wie damals sicher nur wenig erfolgversprechend. Zur
Betonung des Nationalen lässt sich der Sport wegen seiner
Internationalität kaum noch missbrauchen. Die übernächste Fußball-EM
findet in mehreren Ländern gleichzeitig statt. Mit der Champions
League gibt es bereits eine Liga der Vereinigten Fußball-Staaten von
Europa. Holt Deutschland in diesem Sommer den Titel des
Fußball-Europameisters im Nachbarland Frankreich, werden die
Deutschen alle Spieler feiern. Gleich feiern. Das alles ist der kühl
analysierte Grund für den Versuch von Herrn Gauland, die deutsche
Fußballnationalmannschaft in gute und geduldete Spieler zu spalten.
Es ist widerlich. Nein, widerlich ist zu persönlich. Es ist schäbig.
Schäbig für unser Land.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
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nachrichten@neue-westfaelische.de

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