Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Ende der katholischen Familiensynode Reform im Schneckentempo Julius Müller-Meiningen, Rom

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Die Revolution ist ausgeblieben auf der
Bischofssynode im Vatikan. Umstürzende Botschaften hatte angesichts
der Zerstrittenheit der Bischöfe auch niemand erwartet. Im Gegenteil,
die von Papst Franziskus zu einem Perspektivwechsel gedrängte Kirche,
schien auf der Stelle zu treten bei der Frage, wie viel Wirklichkeit
die Doktrin verträgt. Die reformorientierten Kräfte im Episkopat
loben nun das Ergebnis der Versammlung. Vom Papst aufgestoßene Türen
seien nicht zugegangen, sondern offen geblieben. Beim Symbolthema der
wiederverheirateten Geschiedenen deutete sich eine zaghafte Öffnung
an. Fortan, so empfehlen die Bischöfe mit knapper Mehrheit, sei der
Empfang der Sakramente nicht mehr ausgeschlossen, sondern
letztendlich einer in Beichte und Buße ausgereiften
Gewissensentscheidung vorbehalten. Was auf die meisten Menschen wie
ein unverständlicher Kniefall wirken muss, ist für die katholische
Kirche ein Schritt nach vorne. Papst Franziskus hat den Reformprozess
mit einer Umfrage unter den Gläubigen angestoßen. Das Ergebnis nach
zwei Jahren Beratung ist für alle, die einen grundsätzlichen Wandel
der Kirche für möglich hielten, enttäuschend. Die Bischöfe, zu 90
Prozent in den Pontifikaten von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.
berufen, tun sich unendlich schwer mit der Haltung, weniger zu
verurteilen, sondern in erster Linie positive Elemente in
menschlichen Beziehungen zu erkennen, die nicht dem katholischen
Ideal der sakramentalen Ehe entsprechen. Der von Papst Franziskus
vorgezeichnete Weg zu einer offeneren, weniger urteilenden Kirche ist
noch weit. Ob die Reform mit Papst und Bischöfen im Gleichschritt
gelingen kann, ist eine Frage der Zeit. Mitentscheidend ist, wie
viele Jahre Franziskus noch im Amt bleiben wird. Davon hängt ab, wie
viele Bischöfe und Kardinäle er in diesen Jahren ernennt, die die
Richtung der Kirche mitbestimmen. Noch über Jahre hinaus werden die
von seinen Vorgängern berufenen Prälaten das Gesicht der katholischen
Kirche prägen. Es bleibt die Frage, wie sehr der Papst die
amtierenden Bischöfe für seinen Kurs der Barmherzigkeit gewinnen
kann. Was auch nach der Synode bleibt, ist das Paradox, in das
Franziskus seine Kirche geführt hat und aus dem noch kein Ausweg
sichtbar ist. Der Papst will nicht nur Bewegung von seinen Bischöfen,
er wünscht sich von ihnen auch programmatische Inhalte. Die Bischöfe
sind nach Jahrzehnten des Gehorsams nur bedingt zum Dialog fähig. Sie
flehen beim Papst um ein lehramtliches Schreiben, in dem strittigen
Fragen geklärt werden. Ob Franziskus diesen aus Unvermögen
resultierenden Wunsch erfüllen wird, ist zweifelhaft. Ihm ist
zuzutrauen, dass er seine Mitbrüder noch eine ganze Weile
erbarmungslos vor sich hertreiben wird.

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