Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: EU-Bekämpfung von Schlepperbanden Wurzelbehandlung Christine Panhorst

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Das Übel an der Wurzel zu packen, ist eine so
bewährte Methode, dass sie sich eine eigene Redewendung wahrlich
verdient hat. Der Vorgang klingt zupackend, geradezu medizinisch und
scheint von Gründlichkeit zu zeugen. Dass sich dahinter auch grober
Unfug verbergen kann, zeigen die jetzigen Überlegungen der EU. Die
will einmal mehr Weltpolizei spielen und Soldaten schicken. Das Ziel
der Helden von EU-Gnaden: Schlepperbanden, die Flüchtlinge über das
Mittelmeer in brüchigen Booten in den gelobten Westen schippern. Die
Schiffe der Menschenschmuggler sollen beschlagnahmt werden, um
Unglücke mit Tausenden Toten in Zukunft zu verhindern. Ein löblicher
Auftrag. Noch löblicher der Vorsatz, „im Idealfall“ nur Schiffe
anzugreifen, bevor sie Migranten an Bord genommen haben. Sogar die
libysche Regierung – so es eine gibt – soll Mitspracherecht über die
Wurzelbehandlung in ihren Gewässern erhalten. Was sichtlich bemüht
nach einem sauberen Eingriff klingen will, kann keiner sein. Vielmehr
soll im Auftrag der EU im fremden Unterkiefer dilettantisch
herumgestochert werden. Ein Militäreinsatz im Mittelmeer wird
Wurzelwunden nicht verarzten, sondern neue schlagen.

Pressekontakt:
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nachrichten@neue-westfaelische.de

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