Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Frauenquote in Aufsichtsräten Lächerliche Diskussion Viktoria Bartsch

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Das ewige Hin und Her um die Frauenquote ist
lächerlich. Es ist ja nicht so als ob Bundesfrauenministerin Manuela
Schwesig sich die Frauenquote aus dem Hut gezaubert hätte. Ganz im
Gegenteil. Schon seit einigen Jahren steht die Frauenquote mehr oder
weniger regelmäßig auf der politischen Agenda. Sie wird heiß
diskutiert und milde belächelt. Sogar die freiwillige
Selbstverpflichtung der Unternehmen wurde ausprobiert. Viele Jahre
haben in Deutschland etwa 39 Millionen Männer und 41 Millionen Frauen
dabei zugesehen, wie Unternehmen ihre Ziele nur mit mässigen
Anstrengungen verfolgten. Der Anteil der Frauen, die es in die obere
Etage geschafft hat, hält sich in Grenzen. 2014 erklärte Schwesig die
Selbstverpflichtung der Unternehmen für gescheitert – zurecht. Im
März verabschiedete der Bundestag eine Frauenquote von 30 Prozent in
den Aufsichtsräten von Großunternehmen, ab 1. Januar tritt sie nun in
Kraft. Von Zauberhand also keine Rede. Vor diesem Hintergrund
scheinen Stimmen aus der Wirtschaft, wie „es gibt nicht genügend
qualifizierte Frauen“ umso lächerlicher. Selbstverständlich gibt es
ausreichend qualifizierte Frauen. Und mal angenommen, es gäbe sie
nicht, bis dato wäre jede Menge Zeit gewesen, um an der weiblichen
Nachwuchsgewinnung zu arbeiten. Statt einzusehen, dass auch ein
Aufsichtsrat, der aus Männern und Frauen besteht, ein echter Gewinn
für jedes Unternehmen darstellt, wird blockiert: Porsche,
Commerzbank, Eon und andere lassen die Neuregelung scheinbar kalt.
Trotz Bundestagsbeschluss haben die Unternehmen keine ernsthaften
Sanktionen zu befürchten. Ein echter Fehler und ein Armutszeugnis
zugleich. Da der Bundestagsbeschluss nur die Neuwahl von
Aufsichträten betrifft, wird es ohnehin dauern, bis in allen
Aufsichträten der 101 Börsenunternehmen in Deutschland scheinbar
„genügend“ Frauen vertreten sind. Ohne Sanktionen wird jedoch noch
mehr Zeit vergehen. Die ach so überraschende Zaubershow namens
Frauenquote bleibt uns also weiterhin erhalten und sorgt abermals für
Jubel als auch kritische Nachfragen in den Zuschauerreihen. Dass es
aber grundsätzlich zu so einer langatmigen Diskussion um eine
vermeintliche gleichberechtigte Teilhabe kommt – es handelt sich
schließlich nur um 30 statt um ehrliche 50 Prozent – ist lächerlich.

Pressekontakt:
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