Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Gewalt gegen Flüchtlinge in OWL Der Weg zur Gewalt ist kurz Stefan Boes

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Hat OWL ein Problem mit rechter Gewalt? Sobald
auch nur eine Flüchtlingsunterkunft brennt, fällt es schwer, diese
Frage mit nein zu beantworten. Inzwischen gibt es zwölf
Brandstiftungen an Asylbewerberunterkünften in OWL und viele weitere
Angriffe, die sich gegen Flüchtlinge richteten. Alles in weniger als
zwei Jahren und die Dunkelziffer liegt wohl höher. Es sind zwar
Minderheiten, die den Schritt von menschenfeindlichen Haltungen hin
zu Gewalttaten gehen. Doch das macht es nicht besser, zumal die
vielerorts feindselige Stimmung im Land den Weg für solche Taten
ebnet. AfD und Pegida sind zwar nicht für die Taten verantwortlich.
Aber sie sind es, die mit ihren menschenfeindlichen Äußerungen
(Stichwort: Schießbefehl) die Grenzen des Denk- und Sagbaren
verschieben. Der Schritt zur Gewalt ist dann gar nicht mehr so weit.
„Ich verstehe jetzt, warum es so viel Gewalt gibt – weil Gewalt so
verdammt einfach ist“, schreibt Juli Zeh in ihrem aktuellen Roman
„Unterleuten“. Vermutlich stimmt das. Es macht keinen großen Aufwand,
einen Menschen zu schlagen, einen Brand zu legen oder ein Hakenkreuz
an die Wand zu schmieren. Zehs Roman handelt davon, wie das
Zusammenleben in einem kleinen Dorf aus dem Ruder läuft. Das ist in
deutschen Dörfern und Städten nach dem Flüchtlingszuzug nicht zu
beobachten – allen Pöblern auf den Straßen und in
pseudo-patriotischen Parteien zum Trotz, die es besser wissen und
unser Land längst an die Wand gefahren sehen. Natürlich muss man es
nicht gut finden, wenn geflüchtete Menschen aus fremden Kulturen
plötzlich zu Nachbarn werden. Es gibt nichts zu bejubeln, wenn
Menschen ihre Heimat verlassen und im fremden Deutschland vor dem
Nichts stehen. Man darf in einem freien Land jede Einstellung haben,
man darf sie auch äußern. Doch man darf sie nicht in Form von
Beleidigungen, Drohungen und Gewalt äußern. Für keine der Taten, die
sich vor unseren Haustüren ereignen, gibt es eine Entschuldigung. Sie
müssen strafrechtlich verfolgt und von der demokratischen
Gemeinschaft verurteilt werden. Das setzt eins voraus: Dass diese
Gemeinschaft es nicht hinnimmt, wenn es in der Nachbarschaft Hetze
und Gewalt gibt. Die Unruhestifter in diesem Land, das sind nicht die
Flüchtlinge. Auch, wenn sich manche von ihnen schlecht benehmen. Die
Stimmung in diesem Land kippt, weil Menschen nicht in der Lage sind,
besonnen darauf zu reagieren, dass das Elend dieser Welt in unser
Land kommt.

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Neue Westfälische
News Desk
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