Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken Katastrophe ohne Ende Ralph Schulze, MADRID

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Das Drama im Mittelmeer entwickelt sich zu einer
der größten humanitären Notlagen unserer Zeit. 190.000 Flüchtlinge
wurden seit Jahresbeginn im Mittelmeer oder an südeuropäischen Küsten
aufgefischt. Bis Jahresende könnten es mehr als 300.000 sein.
Deutlich mehr als im Vorjahr, in dem bereits 220.000 Boatpeople
gerettet wurden. Ein Ende dieser Massenflucht ist nicht absehbar. Die
Zahl der Menschen, die bei der Überfahrt ertrinken, steigt: Über
2.000 Todesfälle wurden 2015 bereits gezählt. Hinzu kommt die
Dunkelziffer. Nach dem jüngsten Unglück füllt sich die Statistik des
Horrors erneut mit Hunderten Toten. Die meisten Migranten sind keine
Wirtschaftsflüchtlinge. Sie flüchten vor Krieg und politischer
Verfolgung in Syrien, im Irak, in Somalia, Afghanistan oder Mali. Sie
gelten laut Völkerrecht als schutzbedürftig sowie asylberechtigt.
Europa hat wenig Antworten. In den meisten EU-Ländern macht sich nur
betretenes Schweigen breit. Von den Absichtserklärungen im Frühjahr
ist kaum etwas umgesetzt worden. Wie weit Worte und Wirklichkeit
auseinanderklaffen, spiegelt sich im Umgang mit der
EU-Grenzschutzagentur Frontex wider, die vor Italiens und
Griechenlands Küsten patrouillieren soll. Zwar wurden die Gelder
verdreifacht, aber das hilft wenig, wenn nicht gleichzeitig mehr
Schiffe und Flugzeuge bereitgestellt werden. Das europäische
Desinteresse geht so weit, dass Frontex private Luftfahrzeuge
anmieten muss, um das Mittelmeer überwachen zu können. Immer öfter
müssen Seenotrettungszentralen private Hilfsorganisationen wie Ärzte
ohne Grenzen an den Unglücksort schicken. Oder Handels- und
Kreuzfahrtschiffe bitten, Flüchtlinge aufzunehmen. Vom großspurigen
Plan, die Schleppermafia zu bombardieren, die die Todesboote auf die
Reise schickt, ist wenig übrig geblieben. Vor allem, weil auch dies
leichter gesagt als getan ist. Nicht weniger beschämend ist das
Schachern um Aufnahmequoten bei den Flüchtlingen: Die EU-Staats- und
-Regierungschefs, die handfeste humanitäre Hilfe versprachen, konnten
sich nicht einmal auf die Verteilung von 40.000 Schutzbedürftigen
einigen.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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