Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Kampf gegen IS-Terror Ohne die Syrer geht es nicht Ulrike Demmer, Berlin

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Nahezu alle wollen ihn loswerden. Der Wunsch
nach einem Ende der Schreckensherrschaft von Baschar al Assad ist
groß. Die Brutalität, mit der der syrische Diktator gegen die eigene
Bevölkerung vorgeht, lässt die Welt vor Entsetzen erschauern und
brachte den US-Präsidenten Barack Obama schon vor zwei Jahren dazu,
eine rote Linie zu ziehen: „So weit und keinen Zentimeter weiter“,
warnte er den syrischen Diktator, als er Fassbomben und chemische
Waffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzte. Trotzdem hält sich
Assad seit fast fünf Jahren an der Macht. Das ist kein Zufall. Assad
galt als Stabilitäts- und Machtfaktor. Man wollte keinen Staat
zerfallen sehen, wie in Libyen nach dem Tod Muammar Gaddafis. Aber
darf man Assad nun zum Waffenbruder im Kampf gegen den „Islamischen
Staat“ erheben? Zugegeben, der Plan klingt schmutzig und unmoralisch.
Er wird kaum zu verhindern sein. Versionen für ein Ende Assads gibt
es viele. Aber egal ob der Diktator seine letzten Tage in einer
Datsche in Moskau, in einem Luxusapartment in Teheran oder in einer
Gefängniszelle in Den Haag verbringen wird, keines dieser Szenarien
wird so bald Wirklichkeit werden. So bleibt dem Westen kaum etwas
anderes übrig, als zu kooperieren. Die Koalition der Willigen gegen
den Islamischen Staat ist groß. Und sie wird immer größer.
Australier, Kanadier, Amerikaner, Franzosen und jetzt auch die
Deutschen schicken allerdings nur Flugzeuge, keine Infanterie, keine
Bodentruppen. Luftangriffe sind weniger riskant als ein Krieg auf dem
Boden. Doch die Netzwerke des IS lassen sich nicht so einfach aus der
Luft zerstören. Ohne Soldaten auf dem Boden wird sich der IS nicht
vertreiben lassen. Aber wer soll einen solchen Einsatz führen? Weder
die Amerikaner noch die Europäer wollen ihre Soldaten am Boden in
Syrien kämpfen und sterben sehen. Aus gutem Grund. Syrien ist ein
noch größerer Hexenkessel als der Irak. Natürlich will sich der
Westen einen blutigen Bodenkrieg auf diesem Terrain ersparen. So
bleiben nur die Soldaten der Region. Irakische, saudische, iranische
und eben auch syrische Soldaten kämpfen schon seit geraumer Zeit
inoffiziell gegen die Extremisten – irgendwie gemeinsam. Diese
Truppen haben nicht die gleichen Interessen. Sie werden hin und
wieder auch gegeneinander kämpfen. Es ist ein schmutziger und
unübersichtlicher Pakt, aber ohne die Syrer wird der Islamische Staat
nicht zu schlagen sein. Viel besorgniserregender als der schmutzige
Pakt mit Assad ist, dass die Koalition der Willigen keine Strategie
erkennen lässt. Es fehlt eine gemeinsame Vorstellung über die Zukunft
Syriens. Obama, Frankreichs Präsident François Hollande und
Bundeskanzlerin Angela Merkel handeln nicht wie kühl kalkulierende
Akteure, sondern wie Getriebene, die nach den Anschlägen von Paris
nun losmarschieren, ohne die Richtung zu kennen. Ohne Plan aber wird
das Kalifat nicht zu besiegen sein.

Pressekontakt:
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