Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Krieg in Syrien Bitterkeit Dirk Müller

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Der Vorschlag war von tiefer Bitterkeit geprägt.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Außenpolitiker Omid Nouripour
forderte gestern, die internationalen Syrien-Verhandlungen mitten ins
Bombardement von Aleppo zu verlegen. Vielleicht ginge ja etwas voran,
wenn die hohen Herren des Krieges selbst unmittelbar von Tod und
Vernichtung bedroht wären. Ein solcher Vorschlag gilt im politischen
Diskurs als unsachlich und war sicherlich auch als Provokation
gemeint. Aber angesichts dessen, was sich auf den Schlachtfeldern
Syriens tut, fällt Sachlichkeit nicht nur dem Deutsch-Iraner
Nouripour immer schwerer. Wer nicht abgestumpft oder gequält den
Blick abwendet vom Krieg in Syrien, der erfährt in diesen Tagen, da
der jüngste winzige Waffenstillstand ad acta gelegt worden ist, von
Grausamkeiten bisher ungekannten Ausmaßes; von noch stärkeren Bomben,
noch größeren Zerstörungen, noch mehr Opfern als in den Monaten und
Jahren zuvor. Von „Barbarei und Kriegsverbrechen“ spricht
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und kann der Apokalypse von Aleppo
doch nichts entgegensetzen. Amerikaner und Russen machen sich
gegenseitig für die neue Eskalationsstufe verantwortlich, und auch
die Bundesregierung sieht in der Unterstützung Moskaus für Syriens
Machthaber Baschar al-Assad das Haupthindernis auf dem Weg zu einer
wie immer gearteten Friedenslösung. Ob das stimmt, ist aus Westfalen
äußerst schwer zu beurteilen. Bedenkenswert scheint auch, was
Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte: „Auf dem Territorium
Syriens sind Hunderte bewaffnete Gruppen aktiv. Alle, die Lust haben,
bombardieren das Staatsgebiet.“ Das ist nahe an der Resignation.
Immerhin scheint klar zu sein, dass Assads Machtwillen ungebrochen
ist und er an seinem Ziel festhält, ganz Syrien wieder unter die
Kontrolle seines Regimes zu bekommen. Mit Assad aber wird es keinen
Frieden geben, allenfalls ein zerbombtes Syrien und Friedhofsruhe.
Bis dahin bleibt es weiter streng getrennt. In den sicheren
Konferenzsälen dieser Welt wird weiter verhandelt. Und in Aleppo wird
geblutet und gestorben.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
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