Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Lehrer sorgen sich um fastende Grundschüler Nichts essen, nichts trinken, nichts lernen Carolin Nieder-Entgelmeier

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Immer dann, wenn eine Debatte um religiöse
Rituale entfacht wird, ist die Auslegung dieser Rituale entscheidend.
Das gilt besonders für islamische Traditionen, wenn bei Differenzen
sowohl die Fürsprecher als auch die Kritiker mit dem Koran
argumentieren. So auch beim Thema Fasten. Am 6. Juni hat der
muslimische Fastenmonat Ramadan begonnen. Bis zum 7. Juli essen und
trinken viele Muslime nur vor und nach dem Sonnenuntergang.
Ausgenommen davon sind beispielsweise Alte und Kranke sowie
schwangere und stillende Frauen. Auch hart arbeitende Menschen können
auf das Fasten verzichten, ebenso wie Kinder. Doch trotz dieser
Ausnahmeregelung registrieren immer mehr Pädagogen fastende Kinder.
Grundschullehrer berichten von Kindern, die ihren älteren
Geschwistern nacheifern, aber auch von Eltern, die ihre Kinder zum
Fasten zwingen. Grundschullehrer wenden sich deshalb besorgt an
Gewerkschaften und Bezirksregierungen, denn wie so häufig, wenn
Lehrer mit neuen Problemen konfrontiert werden, fehlen lange Zeit
Handlungsrichtlinien. Die Pädagogen müssen selbst entscheiden, wie
sie mit fastenden Kindern umgehen, um schulische und gesundheitliche
Probleme zu verhindern. Der Ramadan führt jedes Jahrs aufs Neue zu
Problemen, in diesem Jahr aber besonders, denn der Fastenmonat liegt
zwar mitten im Sommer, jedoch noch vor den Ferien. Da sich der
islamische Kalender nach dem Mondkalender richtet, verschiebt sich
Ramadan immer um zehn Tage. Fasten während der längsten und heißesten
Tage des Jahres stellt jedoch bereits Erwachsene vor
Herausforderungen. Bei Kindern kann es nach Einschätzung von
Kinderärzten sogar zu gesundheitlichen Folgeschäden führen. Und es
benachteiligt sie deutlich in der Schule. Denn wer nichts isst und
trinkt, der lernt auch nichts, weil die nötige Energie fehlt. Schuld
an der Misere sind Eltern, die ihre Kinder zum Fasten zwingen, aber
auch islamische Verbände, die das Fasten unterschiedlich auslegen.
Bezeichnend dafür ist die Stellungnahme des Zentralrats der Muslime.
Auf Anfrage erklärt ein Sprecher: „Wenn Grundschüler mit dem Fasten
beginnen, ist das achtungsvoll, aber keine Pflicht.“ Der Zusatz
„achtungsvoll“ verspricht Anerkennung und erklärt, warum Eltern ihre
Kinder zum Fasten bewegen und warum es Kinder gibt, die sogar
freiwillig fasten.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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