Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Neue Notunterkünfte für Flüchtlinge Hauptsache, dezentral Christine Panhorst

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Flüchtlinge unterschiedlicher Kultur, Religion
und Auswanderungsgeschichte in Massenunterkünften auf engstem Raum
unterzubringen – und sei es auch nur für einige Tage nach der Ankunft
-, ist eine denkbar schlechte Idee. Darin sind sich
Menschenrechtsorganisationen, Bürger und Politiker eigentlich einig.
Doch die Idealvorstellung musste vor der Realität kapitulieren.
Bisher. Tausende Flüchtlinge dezentral in den Regionen zu verteilen
ist für die Migrationsmanager in Ministerien und Ämtern der
Bezirksregierungen ein kaum zu bewältigendes Kunststück. Wer wann wo
und aus welchem Herkunftsland in Deutschland ankommt, ob Mann oder
Frau oder Kind, ob gesund, krank oder traumatisiert, ist schlicht
nicht vorhersagbar. Fest steht nur: Es kommen viele und im Zweifel
mehr als gestern. Die Organisatoren müssen blind jonglieren. Dem
Flüchtlingschaos System zu geben, und zwar ein menschenwürdiges, das
zudem effektiv ist und von Anfang an eine rasche Integration in den
Kommunen mitdenkt, ist, was sich Bürger und auch Verantwortliche
wünschen. Und es ist nicht planbar. Dass die Überlastung in den
Erstaufnahmen jetzt Regierungsbezirke und Länder dazu nötigt, die
Kommunen einzubeziehen, ist zwar symptomatisch für ein Management in
Nöten – doch es könnte zum Glücksfall werden. Denn die Überlastung in
den Erstaufnahmen hat eine unfreiwillige Umverteilung in Gang
gesetzt, die Kommunen, Bürger, regionale Verbände in die Pflicht
nimmt. Staat und Land können es sich nicht mehr leisten, ihre Bürger
nicht mit ihren Problemen bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu
behelligen. Und das ist gut so. Denn in den Kommunen werden jetzt
nicht nur Kräfte mobilisiert, sondern auch in den Köpfen die
Hilfsbereitschaft. Wenn Turnhallen und Schulen zu Notunterkünften
werden, wird Flüchtlingshilfe zu Nachbarschaftshilfe. Dies verlangt
den Bürgern vor Ort eine Menge ab. Doch die vielbeschworene
Willkommenskultur sollte das aushalten können. Sonst ist sie wenig
wert.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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