Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Papstwort zu Ehenichtigkeitsverfahren Drei Wochen Kampf Julius Müller-Meiningen, Rom

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Das Thema klingt sperrig, ist für die
katholische Kirche aber hochexplosiv. Das zeigen die Reaktionen aus
der römischen Kurie auf die von Papst Franziskus verabschiedete
Reform zur Vereinfachung und Beschleunigung von
Ehenichtigkeitsverfahren. „Das ist die Scheidung auf Katholisch“,
behauptet ein Prälat. „Franziskus hat seine Maske fallenlassen“, sagt
ein Monsignore. Kern der von einer Sonderkommission vorbereiteten
Reform ist ein nicht länger als 30 Tage dauerndes Schnellverfahren
zur Feststellung der Nichtigkeit katholischer Ehen unter Aufsicht des
Bischofs. Das Eilverfahren soll nur bei eindeutiger Nichtigkeit und
wenn sich die Partner einig sind zur Anwendung kommen. Franziskus
will damit Gläubige unterstützen, die unter den manchmal Jahre
dauernden Prozessen leiden. Offensichtlich steht dieses Bestreben mit
dem katholischen Dogma der Unauflöslichkeit der Ehe im Konflikt. Eine
Mehrheit der Bischöfe hatte sich bei der Familiensynode im
vergangenen Jahr für die Beschleunigung der Prozesse ausgesprochen,
ein Schnellverfahren durch den Bischof war umstritten. Denn allzu
schnell wieder zu trennen, was Gott eigentlich für immer verbunden
hat, erweckt leicht den Anschein einer Kapitulation vor selbst
aufgestellten Regeln. Anfang Oktober kommen die Bischöfe erneut zu
einer Synode zusammen. Über die Ehenichtigkeitsverfahren gibt es nun
nichts mehr zu diskutieren. Seine Heiligkeit hat verfügt. Dieses
Vorgehen stößt viele Mitarbeiter des Papstes vor den Kopf. Alle
möglichen Instanzen seien bei der Entscheidung im Vatikan übergangen
worden, allen voran die Synode und die Glaubenskongregation. Der
Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sei
„stinksauer“, weiß ein Kurienmann. Müller selbst wollte sich gestern
nicht äußern. Aus seinem Umfeld hieß es jedoch, man stehe vor „drei
Wochen Kampf“. Der Papst, so sind sich seine Kritiker inzwischen
sicher, agiert im Alleingang. Dass er mit seiner Blitzreform vor dem
Bischofstreffen einige Lunten löscht, ist eine Möglichkeit. Die
andere ist, dass die Verteidiger der reinen Doktrin nun noch
kompromissloser werden.

Pressekontakt:
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