Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Schon Kinder machen Diät / Mehr übergewichtige Kinder Gefährlicher Wirrwarr Viktoria Bartsch

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Dass schon elf- und zwölfjährige Mädchen hungern
und Diät machen, geht eindeutig zu weit. Auch, dass die Zahl der
übergewichtigen Kinder steigt, ist sehr bedenklich. Serien wie
„Germany– s Next Topmodel“ tragen dazu bei, dass sich jede
Otto-Normal-Zuschauerin schlecht fühlt. Da gibt es eine Moderatorin,
der man ihr Alter und ihre drei Schwangerschaften nicht ansieht, da
gehen ohnehin schlanke Kandidatinnen im Bikini über den Laufsteg –
alle ohne „Makel“ wie Pickel oder Cellulitis. Obwohl Frauen die
Zielgruppe dieser Sendungen sind, hat es für sie immer einen faden
Beigeschmack. Denn der perfekte Frauenkörper ist, wenn überhaupt, nur
schwer zu erreichen. Schon Durchschnittsfiguren hält man in der
Modeszene für nicht werbetauglich. Wem jetzt die Frauenzeitschrift
Brigitte einfällt und deren Versuch, mit normalen Frauen Werbung zu
machen, – das Magazin ist schon längst zu professionellen
hyperschlank Models zurückgekehrt. Werbung trägt erheblich dazu bei,
mit welchem Gefühl man sich im Spiegel betrachtet. Immer mit der
unterschwelligen Botschaft: Nur wenn du schlank bist, bist du etwas
wert, hast du Erfolg. Auf der anderen Seite ist das ungesunde
Essensangebot so groß wie nie zuvor. Egal ob Burger, Pizza, Pommes
und Co – Hunger kann in kürzester Zeit gestillt werden. Bei diesem
Wirrwarr aus Schönheitsideal und Essensangebot fällt es schon
Erwachsenen schwer, den Überblick zu behalten und sich in ihrer Haut
wohl zu fühlen. Von Kindern kann man das nicht erwarten. Sie eifern
nach, können größere Zusammenhänge noch nicht erfassen. Ob Magersucht
oder krankhaftes Übergewicht, Essstörungen sind kein guter Start ins
Leben. Kinder und Jugendliche leiden nicht nur körperlich, sondern
auch psychisch. Um sie zu schützen, braucht es an erster Stelle eine
Erziehung zu bewusster Ernährung, ohne dabei den Spaß am Essen zu
nehmen. Zugleich sollten die falschen Ideale und Werbebotschaften
nicht jederzeit und überall auf die Kinder einprasseln. Sendungen, in
denen ein übertriebenes Schönheitsideal propagiert wird, gehören,
wenn nicht ganz verbannt, dann aber auf einen späteren Sendeplatz.
Werbung, die suggeriert, dass Burger und Schokocreme gesund sind,
braucht auch niemand. Und die Hersteller von Lebensmitteln müssen
endlich dazu gebracht werden, weniger Zucker zu verwenden.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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