Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Schwache Aufklärungsquote der Polizei bei Taschendiebstählen Das eigentliche Problem Björn Vahle

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Grundsätzlich ist Prävention in beinahe jeder
Lebenslage eine gute Sache. Löblich also, dass die Polizei seit
Jahren versucht, mit Aktionstagen potenziellen Opfern von
Taschendiebstahl die Gefahr und die Folgen vor Augen zu führen. In
Zeiten des elektronischen Zahlungsverkehrs kann der Verlust der
Bankkarte schnell den Verlust der Identität bedeuten, nämlich dann,
wenn jemand unter falschem Namen das Geld eines anderen ausgibt.
Solche Fälle gibt es, und ihre Folgen für die Betroffenen sind
verheerend. Dennoch scheint die Aktion vor allem eines zu
provozieren: Widerwillen. Viele Reaktionen auf den Aktionstag im
Internet lesen sich in etwa so: „Soll doch die Polizei endlich ihre
Arbeit machen.“ „Als wären wir schuld daran, wenn wir beklaut
werden.“ Tatsächlich ist die Aufklärungsquote beim Taschendiebstahl
seit Jahren ein Hohn, der selbst Polizeipressesprecher am Telefon
verlegen werden lässt. Sie helfen sich dann mit den vergleichsweise
niedrigen Fallzahlen. Doch das darf für die Polizei nicht der Maßstab
sein, an dem sie den Erfolg ihrer Arbeit misst. Oder an der die
Bürger sie messen. Zwar darf die Polizei auch nicht anhand einer
bloßen Quote beurteilt werden. Aber daran, wie erfolgreich sie an
einer schlechten Quote etwas ändert. Und daran scheinen auch die
beispielsweise in Bielefeld eingeführten City-Detektive nichts ändern
zu können. Dabei kann jeder der gefragten Polizeisprecher die Täter
benennen: organisierte Banden, von denen bekannt ist, dass sie ihre
Handlanger zum professionellen Klauen in die Innenstädte schicken und
abends die Erträge kassieren. Offenbar ist es aber unmöglich, diese
Hintermänner zu fassen. Prävention ist eine tolle Sache. Wenn sie
funktioniert. Und das eigentliche Problem angeht. Es würde den
Polizisten – und der Statistik – mehr bringen, wenn sie die
organisierten Taschendiebe ermitteln würden. Vielleicht in der Zeit,
in der sie sonst einen Präventionstag vorbereiten mussten.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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