Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Trumps Äußerungen zum Waffenrecht Genug ist genug Dirk Hautkapp, Washington

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Donald Trump hat so ziemlich jedes Tabu
gebrochen, das im traditionell beinharten
US-Präsidentschaftswahlkampf bislang Bestand hatte. Aber er hat es
politisch überlebt. Diesmal kann man sich nicht sicher sein. Jetzt
muss man Trump als gemeingefährlich bezeichnen. Sein versteckter
Aufruf an die Anhänger des in der Verfassung gesondert geschützten
Rechts auf Waffenbesitz, sich gegen Hillary Clinton und von ihr in
der Zukunft eingesetzte, waffenkritische Richter am Obersten
Gerichtshof mit Waffengewalt zur Wehr zu setzen, hat eine neue
Qualität. Es ist der unfassbare Höhepunkt einer beispiellosen Serie
politischer Brandstiftungen. Schwarze, Latinos, Frauen, Behinderte,
Andersdenkende – Trump hat vor niemandem Halt gemacht. Der Sturm der
Entrüstung, der sich aus den Internetforen in die Kommentarspalten
der Zeitungen ausbreitet, ist keine Medien-Erfindung. In einem Land,
in dem jeden Tag psychisch gestörte Menschen zu leicht verfügbaren
Waffen greifen und das Leben anderer beenden, sind Trumps bewusst
doppeldeutig formulierten Worte Rattengift. Der Radikal-Populist hat
gelogen – Clinton hat noch nie den Vorstoß gemacht, den „Zweiten
Verfassungszusatz“, der den Waffenbesitz regelt, aufzuheben. Der
Kongress würde dem Ansinnen ohnehin niemals zustimmen. Was Clinton
will, ist bekannt und wird in großen Teilen der Bevölkerung geteilt:
Sie will die laxen Waffengesetze straffen, damit die Zahl von über
30.000 Schusswaffen-Toten im Jahr zurückgeht. Dass dazu am Ende auch
liberal(er) gestimmte Richter am Supreme Court gehören, deren
Ernennungsrecht im Falle ihrer Wahl bei Clinton liegen würde,
versteht sich von selbst. Trump verdreht diese Tatsachen und betätigt
sich als Stichwortgeber für militante Verschwörungstheoretiker, die
in den USA zu Hunderten frei herumlaufen und im Internet zum Sturm
auf Washington aufrufen. In einem Land, in dem Präsidenten schwer
verletzt oder auch erschossen wurden, muss sich niemand wundern, wenn
Trumps widerwärtige Handlungsempfehlung beherzigt wird. Sein Tun
disqualifiziert ihn für öffentliche Ämter. Umfragen legen den
Verdacht nahe, dass er sich durch charakterlich bedingte Defizite
politisch sein eigenes Grab schaufelt. Der Abstand zu Clinton wird
immer größer. Jeder US-Bürger, der öffentlich sagen würde, was Trump
vom Stapel ließ, bekäme Besuch von der Polizei. Trump zu verhören ist
das Gebot der Stunde. Danach müssen die Republikaner Schaden von sich
und dem amerikanischen Volk abwenden und ihm die Prokura für die Wahl
entziehen. Der Mann ist eine Schande für die Demokratie. Genug ist
genug.

Pressekontakt:
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