Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Weltnichtrauchertag Raucher sind Opfer, nicht Täter PETER STUCKHARD

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Angst ist ein schlechter Berater. Deshalb kann
man getrost darauf verzichten, den passionierten Rauchern ständig vor
Augen zu führen, was sie ihrem Körper antun. Sie wissen es.
Jedenfalls die meisten. Sie sind aber meist auch groß im Verdrängen.
Dafür müssen dann Helmut Schmidt oder der eigene Großvater herhalten,
die trotz Rauchens über 90 sind. Aus Sicht des Staates sind Raucher
zudem recht vorteilhafte Mitbürger: Sie zahlen für ihre Sucht hohe
Steuern und fallen der Sozialversicherung häufig nicht allzu lange
zur Last. Diese zynische Argumentation haben sich just die
Befürworter der Cannabis-Freigabe zu eigen gemacht. Raucher schädigen
in der Regel nur noch die eigenen Familienangehörigen. Die
Raucherpausen, die sich leicht einmal zu einer vollen Arbeitsstunde
aufsummieren können, werden kaum noch irgendwo toleriert. Raucher
sind überall in der Defensive. Brauchen wir also noch einen
Weltnichtrauchertag? Ja, weil das Leben ohne Zigarette viel schöner
ist. Und weil Raucher Opfer sind, die jede Hilfe verdient haben. Der
Suchtfaktor ist beim Rauchen extrem hoch, er entspricht, sagen
Fachleute, dem des Heroins. Während der Alkoholismus eine anerkannte
Suchtkrankheit ist, hat man vom Nikotinismus noch nichts gehört. Für
beide gilt jedoch: Der Weg aus der Sucht ist schwer, aber er lohnt
sich.

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