Neue Westfälische (Bielefeld): Mehrheit der Eltern gegen Turbo-Abi Bloß kein zweiter Schnellschuss Martin Fröhlich

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Das Signal an Schulministerin Sylvia Löhrmann
ist eindeutig: Die Eltern der Gymnasiasten halten nichts vom
sogenannten Turbo-Abi, von der G8. Das ist zwar im Ansatz nicht ganz
neu, doch wie breit die Mehrheit ist, überrascht dann doch. Die Reihe
der Argumente gegen das Turbo-Abi wird länger: Die Schüler sind
überfordert und gestresst. Die Leistungen lassen nach. Der Reifegrad
beim Schulabgang ist ungenügend. Es bleibt kaum Zeit für Hobbys.
Offenbar spricht rein gar nichts mehr für den schnelleren
Schulabschluss. Doch aus irgend einem Grund muss der doch mal
eingeführt worden sein? Ach ja, richtig, es ging darum Schulabgänger
schneller an Universitäten und in den Arbeitsmarkt zu bringen. Das
geschah, getrieben von Wirtschaft und Politik, vor allem im Hinblick
auf die europäischen Nachbarn. Jetzt wird moniert, dass die Schüler
zu jung seien, wenn sie die Schule verlassen. Hätte man das nicht
kommen sehen müssen? Ein Problem beim Turbo-Abi ist, dass sich nicht
nur in der Schule etwas geändert hat, sondern auch drum herum. Es
gibt keine Wehrpflicht mehr, und das Einschulungsalter wurde
abgesenkt. Zwei Faktoren, die dafür sorgen, dass die jungen Leute bei
der Ankunft an Universität oder Ausbildungsplatz noch jünger sind,
als beabsichtigt. Außerdem, und das ist der Knackpunkt, haben es die
Verantwortlichen versäumt, die Rahmenbedingungen zu schaffen, unter
denen G8 gelingen kann. Dass das möglich ist, beweisen auch
Bundesländer wie Thüringen und Sachsen, die seit der
Wiedervereinigung auf G8 setzen. Die Kritik an den Rahmenbedingungen
wie zu vollen Lehrplänen und zu hoher Stundenzahl gibt es seit 2005,
als das Turbo-Abi eingeführt wurde. Geändert hat sich wenig. Wenn elf
Jahre in NRW nicht ausreichen, für Verbesserungen zu sorgen, zeigt
das eines: Der Turbo als Entscheidungsbeschleuniger ist in der
Bildungspolitik nicht angebracht. Eher ein gründlicher
Werkstatt-Check. Der Fehler, überhastet auf G8 zu wechseln, sollte
nicht umgekehrt wiederholt werden. Die Politik sollte nicht zum
nächsten Schuljahr alles umkrempeln. Sie sollte stattdessen zwei
Alternativen prüfen: Eine gründlich vorbereitete Rückkehr zur
Langvariante an den Gymnasien oder eine Reform des Turbo-Abis. Die
könnte damit beginnen, dass das Einschulungsalter wieder angehoben
wird. Kinderärzte fordern das schon lange.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
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nachrichten@neue-westfaelische.de

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