Neue Westfälische (Bielefeld): Middelhoff Eine andere Freiheit MARTIN KRAUSE

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Thomas Middelhoff hat gewiss Erfahrungen
gemacht, mit denen er nie gerechnet hätte und die er sich und seiner
Familie gern erspart hätte. Über seinen Sturz aus dem Manager-Olymp
ist so viel geredet worden, dass es langweilig sein müsste – wäre
Middelhoff nicht eine so widersprüchliche und schillernde
Persönlichkeit. Er erzwingt es immer wieder, dass er im Fokus steht.
Nun ist seine Freilassung aus der U-Haft zu erwarten, und die heftige
Reaktion in den Medien zeigt, wie sehr darauf gewartet wurde. Darauf
etwa, dass er endlich erzählt, wie es wirklich war hinter Gittern.
Vom schlossartigen Anwesen in den Hügeln über Saint-Tropez in den
berüchtigten Knast in Essen. Wie konnte das passieren? Middelhoff ist
kein gewöhnlicher Betrüger und schon gar kein gemeingefährlicher
Wüstling, der dringend hinter Schloss und Riegel gehört. Diese
Meinung vertraten nach seiner Inhaftierung selbst Medien, die sich
bis dahin süffisant über seinen charmanten Größenwahn und seine
unverhohlene Eitelkeit lustig gemacht hatten. Seinen großen Einsatz
für die von ihm geführten Firmen kann ihm keiner absprechen, nur
fehlte ihm der Sinn für gewisse Regeln. Seinen enormen kommunikativen
Talenten zum Trotz scheiterte er erst als Manager und dann als
Angeklagter. Middelhoff zeigte weder Reue noch bedingungslose
Kooperationsbereitschaft. Das Gericht zweifelte auch an seiner
Ehrlichkeit. In der Öffentlichkeit wurde Middelhoff zum Buhmann. In
der Haft wurde er krank. Ob dies durch die Kontrollen zur Vermeidung
eines Suizids geschah, ist unbewiesen. Viele Menschen wären
angesichts seiner gewaltigen juristischen und finanziellen Probleme
wohl schon vorher zusammengebrochen. Und Middelhoffs Leidensweg ist
noch nicht zu Ende. Er gelangt nun in eine Freiheit, die nur
vorläufig ist und völlig anders als die Wirklichkeit, in der er noch
2014 lebte. Sein Status als Star-Manager und sein Image als Sonnyboy
sind vernichtet. Seine berufliche Existenz ist ungewiss. Sein
Rest-Vermögen wollen sich seine Gläubiger teilen. Es ist ihm zu
wünschen, dass ihm Freunde und Familie dabei helfen, die Krise zu
bewältigen.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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