Neue Westfälische (Bielefeld): Neue Führungsspitze bei der NRW-SPD Vor schwierigen Aufgaben Lothar Schmalen, Düsseldorf

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Fürs Erste kann Michael Groschek zufrieden sein.
Der neue Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD hat sich mit
einem guten Auftritt vor dem Landesparteitag der gebeutelten
Sozialdemokraten genügend Vertrauen erarbeitet, um die schwierigen
Aufgaben, die jetzt vor ihm liegen, angehen zu können. Mit seiner
Rede hat er den richtigen Ton getroffen – einerseits die geschundene
sozialdemokratische Seele gestreichelt und andererseits den
niedergeschlagenen Delegierten Mut zugesprochen. Und er hat in den
wenigen Tagen seit seiner schnellen Nominierung durch den
Landesvorstand seiner Partei erkannt, dass seine ursprüngliche
Ansage, zunächst Bundestagswahlkampf zu machen und danach erst mit
dem inhaltlichen, organisatorischen und personellen Neuanfang bei der
NRW-SPD zu beginnen, nicht der Stimmung an der Parteibasis entsprach.
Die Genossen des größten SPD-Landesverbandes wollen nämlich nicht
warten mit der schonungslosen Aufarbeitung einer der schwersten
Niederlagen in der Geschichte der SPD an Rhein und Ruhr. Groschek und
seine neue Generalsekretärin Schulze sollen sich keiner Illusion
hingeben. Das mäßige Wahlergebnis des neuen Vorsitzenden und das eher
schlechte der neuen Generalsekretärin zeigen, wie dünn das Eis ist,
auf dem sich die beiden Neuen, die eben gar nicht so neu in der
Führungsspitze der SPD sind, bewegen. Unter dem Eis rumort es. Das
zeigte die Diskussion, die sich an die Reden von Groschek und Schulze
anschlossen. Viele Parteimitglieder fordern, dass die NRW-SPD sich
inhaltlich und personell neu erfindet. Dass Groschek sich bei den
Kandidaten und vielen Wahlkämpfern der SPD vor Ort entschuldigt hat
für die Fehler, die vor allem die Landesführung der SPD und auch die
Landesregierung gemacht hat, zeigt allerdings, dass der neue
Vorsitzende auf dem richtigen Weg ist. Wenn es ihm gelingt, dass die
SPD wieder eine echte Reformkraft wird, in der – statt Harmoniesoße
über das Land zu gießen – über die wirklichen Probleme der
Gesellschaft gestritten und in der gleichzeitig die Sprache der
heutigen Menschen gesprochen und in der politische Kommunikation
professioneller und moderner als bisher betrieben wird, dann wird die
stolze SPD in NRW auch wieder bessere Tage erleben als jenen 14. Mai,
an dem der Wähler sie unerbittlich auf die harte Oppositionsbank
schickte.

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