Neue Westfälische (Bielefeld): Niedriger Ölpreis Wettfördern stefan schelp

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Die Devise ist klar: Auto betanken, Zweitwagen
befüllen, am besten auch Roller und Rasenmäher. Und natürlich den
Öltank. Stimmt. Es könnte noch billiger werden – es wird noch
billiger werden. Aber bei diesen Preisen macht das Tanken einfach
Spaß. Also gönnen wir es uns! Auch wenn wir dadurch zur Spielfigur in
einem weltweiten Wettstreit werden, der nicht von ungefähr an den
Kalten Krieg und das Wettrüsten von Ost und West erinnert. Damals war
das Ziel des Westens ja nicht nur, das Drohpotenzial gegenüber der
Sowjetunion zu erhalten. Zugleich ging es darum, den Ostblock
finanziell zu ruinieren, weil jener das Geld, das anderswo dringend
nötig gewesen wäre, in die Rüstung investieren musste. Heute geht es
nicht ums Rüsten, sondern ums Erdölfördern. Und das auf Teufel komm
raus. Vor allem Saudi-Arabien verfolgt das Ziel, die unliebsame
Konkurrenz in den USA und Kanada aus dem Markt zu schwemmen. Die
hatte versucht, sich per Fracking unabhängig zu machen von den
OPEC-Staaten. Letztere sind (noch) im Vorteil, weil das Fracking zu
wenig effektiv und daher teuer ist. Derzeit produziert die OPEC daher
eine halbe Million Barrel am Tag mehr, als es Bedarf auf dem Markt
gibt. Das pulverisiert den Preis, und schon gehen die ersten
Fracking-Unternehmen in den USA in die Knie. Dass der russische
Präsident Wladimir Putin fast nebenbei auch einen mitkriegt, ist ein
willkommener Nebeneffekt. Der Verfall des Ölpreises mache ihm mehr zu
schaffen als die Sanktionen der westlichen Staaten, hat er kürzlich
verkündet. Und den Anteil am Staatskonzern Rosneft will er auch
gleich reduzieren. Dabei ist das Wettfördern noch unübersichtlicher
als das Wettrüsten des vergangenen Jahrhunderts – und deshalb
vielleicht gefährlicher. Denn durch das Wettfördern versucht
Saudi-Arabien zugleich, den aufkommenden Konkurrenten Iran in Schach
zu halten, der nach dem Ende der Sanktionen jetzt auch wieder sein Öl
in alle Welt verkaufen darf. Der Konflikt spaltet längst die OPEC
selbst. Spannend ist die Frage, wie lange die Ölstaaten noch mit
Hochdruck pumpen können. Nicht nur, weil die Ressourcen endlich sind.
Sondern auch, weil viele Golfstaaten sich den Frieden im Land durch
soziale Wohltaten erkaufen, die mit dem Gewinn aus dem Öl bezahlt
werden. Und der sprudelt derzeit eben nicht. Die nächste OPEC-Sitzung
ist für Juni angesetzt. Da muss es natürlich um Fördermengen gehen.
Möglicherweise ist dann die Zeit des ultrabilligen Öls schon vorbei.
Mancher redet (oder sehnt) bereits die nächste Preisexplosion herbei.
Also lieber noch mal tanken fahren.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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