Neue Westfälische (Bielefeld): Nordrhein-Westfalens Konzept gegen Rechtsextremismus Einfach wie Neuer Florian Pfitzner, Düsseldorf

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Neulich hat der Torwart der deutschen
Fußballnationalmannschaft, Manuel Neuer, klug geantwortet, als er
sich zu einer politischen Angelegenheit äußern sollte. Ob das
DFB-Team über die Pegida-Anhänger gesprochen habe, die sich über
Jugendbilder seiner Kameraden Jérôme Boateng und Mesut Özil auf der
Packung der Kinderschokolade aufgeregt hatten? „Null“, entgegnete
Neuer. Man könne es ja vermeiden, über „Schwachsinn“ zu reden.
Außerdem sei er nun mal im Ruhrgebiet aufgewachsen, wo man jahrelang
davon abhängig gewesen sei, dass Integration gelingt. Im Landtag
sprach NRW-Familienministerin Christina Kampmann nun ebenfalls über
Kinderschokolade. Es sollte einfach mal egal sein, welche Hautfarbe
die Jungs auf der Packung haben, sagte sie. Für ebenso einerlei hält
sie es, aus welchem Land die Eltern ihres Nachbarn stammen. Vielfalt
sei etwas, was ein Land nach vorne bringe. Damit liegt Kampmann
völlig richtig. Nur hat man es bereits geahnt. Es war dem jüngsten
Kabinettsmitglied vorbehalten, ein jahrzehntealtes gesellschaftliches
Übel zu verhandeln. Kampmann hielt sich eng an die vertrauten Worte
der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, etwa als sie empfahl, in der
Auseinandersetzung mit Neonazis eine „klare Haltung“ zu entwickeln.
Ihren Aufruf an die „Zivilgesellschaft“ hatte man vorher schon oft
von Innenminister Ralf Jäger gehört. Die Anleihen bestätigen
diejenigen, die sagen, bei dem „Handlungskonzept“ handle es sich
weniger um ein frisch aus der Taufe gehobenes Modell als um einen
Statusbericht, der zusammenfasst, was in NRW bisher so gelaufen ist.
Doch auch wenn man diesen Maßstab anlegt, schmeckt die Suppe etwas zu
dünn. Insofern sah sich Kampmann einiger berechtigter Kritik
ausgesetzt. FDP-Politiker Joachim Stamp formulierte sie am
schärfsten, als er sagte, er sehe eigentlich nur ein Kuddelmuddel an
Plattitüden. Damit schoss Stamp natürlich eine Ecke übers Ziel
hinaus. Torwart Neuer erzählte im eingangs erwähnten Gespräch, er
habe bereits als Kleinkind angefangen, in Gelsenkirchen Fußball zu
spielen. Als er ungefähr sieben Jahre alt war, fragte ein
Erwachsener, was für ein Landsmann einer seiner Mitspieler denn sei,
der sehe ja aus wie ein Ausländer. Da habe Neuer erwidert: „Nein, das
ist kein Ausländer, der ist Schalker.“ Es kann manchmal ganz einfach
sein, seine Sicht auf die Welt zu erklären.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
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