Neue Westfälische (Bielefeld): Rente mit 73 Spaltung der Gesellschaft Andrea Frühauf

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)
plädierte vor Wochen für einen späteren Rentenbeginn in Deutschland.
Jetzt legt das Institut der deutschen Wirtschaft nach, fordert die
Rente mit 73. Zwar ist es richtig, dass die Menschen immer älter
werden und damit immer länger Rente beziehen. Wer aber die Rente mit
73 einführen will, wird die Gesellschaft weiter spalten und die
Schwachen bestrafen. Denn nur gut verdienende Arbeitnehmer, die sich
nicht viele Jahre lang mit Teilzeitjobs über Wasser halten müssen,
werden sich einen früheren Ausstieg aus dem Arbeitsleben leisten
können. Die Heraufsetzung des Rentenalters wird vor allem schlecht
bezahlte Berufsgruppen treffen, denen die Arbeit in diesem Alter
nicht mehr zumutbar ist – wie Bauarbeiter und Dachdecker. Und es sind
gerade diese Berufsgruppen – darunter viele Frauen – , die keinen
Euro für die private Altersvorsorge übrig haben, um das sinkende
Rentenniveau anzuheben. Die Alterung der Gesellschaft fordert auch
angesichts der Nullzinspolitik der EZB neue Konzepte für die
langfristige Sicherung der gesetzlichen Rente. Doch die überfällige
Rentenreform hat die Große Koalition nicht angepackt. Stattdessen hat
sie Geschenke verteilt und pauschal für jeden die abschlagsfreie
Rente nach 45 Beitragsjahren ab 63 eingeführt.

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