Neue Westfälische (Bielefeld): Saudi-Arabien bietet Hilfe bei Terrorbekämpfung an Zentrum des Problems Dirk Hautkapp, Washington

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Grenzüberschreitende Amtshilfe bei der
Verfolgung von Terroristen sollte im Jahr 2016 keinen Nachrichtenwert
mehr haben. Metastasen wie der Islamische Staat (IS) fressen sich um
den Globus. Nur konzertiertes Vorgehen der Weltgemeinschaft kann den
Wahnsinn eindämmen, wenn überhaupt. Dass Saudi-Arabien deutschen
Fahndern nun bei der Aufklärung der Attentate von Würzburg und
Ansbach helfen will, gehört in diesen Kontext. Und es ist trotzdem
alles andere als Routine. Sollten die Täter, die in einem Regionalzug
und bei einem Musikfestival über 20 Menschen mit ihrem Hass ins Elend
stürzten, radikal-islamistischen Regisseuren gehorcht haben, die via
Internet aus Saudi-Arabien ihre Direktiven haben, wäre der wichtigste
Verbündete des Westens in der Region einmal mehr blamiert – als
Brutstätte des Terrors. Spätestens seit dem 11. September 2001 in New
York und Washington gehört zum Allgemeinwissen, dass der ebenso
reiche wie rückwärtsgewandte Wüstenstaat ein Laboratorium für
Extremismus ist. 15 der 19 Attentäter, die allein in New York 3.000
Menschen auf dem Gewissen haben, stammten wie ihr damaliger
Anstifter, El Kaida-Chef Osama Bin Laden, aus Saudi-Arabien.
Untersuchungen amerikanischer Geheimdienste ergaben später, dass die
Terroristen Helfershelfer aus saudischen Kreisen hatten, wenn auch
nicht direkt nachweisbar aus dem Königshaus. Dass genau dort der
wichtigste Schlüssel liegt, um dem heute Ton angebenden IS den
Nährboden zu entziehen, hat sich ebenfalls herumgesprochen. Ohne die
fundamentalistische, intolerante, und totalitäre Islam-Interpretation
(Wahhabismus), die die saudische Monarchie mit ihren Petro-Dollars
exportiert, gäbe es den „Islamischen Staat“ aller Wahrscheinlichkeit
nach nicht. Und somit auch nicht ideologisch verseuchte
Nachahmungs-Einzeltäter, die im Monatstakt Panik und Schrecken
verbreiten und – oft posthum – von der Abteilung Agitprop der
Terror-Armee vereinnahmt werden. Bei den royalen Sauds haben sich die
Banden des Möchtegern-Kalifen Bagdadi abgeschaut, wie man Dieben die
Hand abhackt, Straffällige köpft, Andersgläubige verfolgt, Frauen
schikaniert, mit brutaler Unterdrückung Frömmigkeit und Gehorsam
durchsetzt und universelle Menschenrechte in den Staub tritt. Wer den
IS ausschalten will, muss Saudi-Arabien, Hüter der heiligen
Islam-Stätten Mekka und Medina, zu einer Renaissance des Glaubens
bewegen, der nicht mehr per Definition die ideologische Basis für
Zerstörung und Totschlag ist. Aber danach sieht es nicht aus. Im
Gegenteil. Die Ermittler in Deutschland, die auf Nachrichten über die
möglichen Hintermänner der Bluttaten von Würzburg und Ansbach hoffen,
können ihre Erwartungen senken. Saudi-Arabien steht im Zentrum des
Problems, nicht der Lösung.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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