neues deutschland: Bon(n)mot – zum immer noch nicht vollendeten Regierungsumzug von Bonn nach Berlin

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Der Titel ist falsch. Denn ein Bonmot soll kurz und
geistreich sein. Das ist das Theater um den seit 25 Jahren nicht
vollendeten Regierungsumzug nach Berlin schon lange nicht mehr. Geht
es um die ministeriellen Hinterlassenschaften in Bonn, verlieren
nicht nur dort Ansässige den guten alten rheinischen Humor. Die
wackeren Verfechter der deutschen Einheit, die sich unterm
Siebengebirge so betulich eingerichtet hatten, waren zwar 1990
unbesehen bereit, sich an der kleinen östlichen Republik dumm und
dämlich zu verdienen und alles aus ihr herauszuholen, was nicht niet-
und nagelfest war – wollten aber den Ihren so wenig wie möglich auf
die Füße treten. Und wer von den zahlreichen ostdeutschen Verehrern
Helmut Kohls an die Einheit aus der Portokasse, an blühende
Landschaften und die weltoffene Berliner Republik glaubte, dem dürfte
längst das Lachen im Halse stecken geblieben sein.

Dass auch dessen Nachfolger im Kanzleramt, Gerhard Schröder und
Angela Merkel, die halbfertige deutsche Einheit nicht vollendeten,
liegt in der Natur dieser nur größer und eben nicht besser gewordenen
Republik. Wie auch, dass man nach jahrelangen Versäumnissen nun
offensichtlich auf die bequeme biologische Lösung setzt – und
natürlich nicht ein halbes Jahr vor der Landtagswahl im
bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen den Menschen aus Bonn
und Umgebung Arbeitsplatzsorgen und die Angst vor der
Bedeutungslosigkeit zumuten will. Dieser kleinkariert Stil im Umgang
mit einer historischen Chance ist einfach nur lachhaft.

Pressekontakt:
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