neues deutschland: Demokratiepreis abgelehnt: Eben extrem

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Nicht unbedingt mutig ist es, sich einem Lob zu
entziehen. Doch ein staatlicher Demokratiepreis ist mehr als ein Lob.
Er ist ein gesellschaftliches Lob, ist gegenseitige Vergewisserung
auf eine gemeinsame Norm. Ihn abzulehnen, ist mutig. Extrem mutig
sogar. Gruppen wie der Antifaschistische Ratschlag in Thüringen, die
den Preis bisher abgelehnt haben, kennt man als mutig. Ihr Mut zeigt
sich im Alltag und außerhalb von Auszeichnungsveranstaltungen. Sie
fallen dadurch auf, dass sie nicht zurückschrecken, die Norm selbst
in Frage zu stellen. Denn diese Norm bietet die Behausung für die
Mehrheitsgesellschaft und ihren Egoismus, der sich von Extremen gern
bedroht sieht. Rassismus kann bequem sein, so lange er die eigene
Position stärkt. Er macht blind gegenüber der Herablassung. Sich den
daraus leicht folgenden Ungerechtigkeiten gegen Minderheiten nicht zu
unterwerfen, kann als extrem empfunden werden. Bei großer Lautstärke
auch als extremistisch. Über die Qualität der Zwischenrufe ist damit
noch nichts gesagt. Der Thüringer Ratschlag hat sich geweigert, mit
der Auszeichnung dem ihm vorgelegten Urteil der Mehrheitsgesellschaft
zuzustimmen, was unter Extremismus zu verstehen sei. Man könnte auch
sagen, er hat es abgelehnt, sich einem Extremismus zu verweigern, der
nötig sein kann, um Normen zu verändern. Er hat damit etwas für
seinen Ruf getan. Ob seinem guten oder schlechten Ruf, bleibt dem
Betrachter überlassen. Hier sei die These vertreten: Das Bündnis hat
sich des Preises würdig erwiesen, den es verweigert hat.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1715

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