neues deutschland: Kommentar: Blackbox Mossul – zum Krieg der Anti-IS-Koalition in Irak

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Die sogenannte Anti-IS-Koalition zur Eroberung von
Mossul ist ein Mysterium; eine »Blackbox«, von der niemand weiß,
besser: wissen soll, was drinnen geschieht. Die Milizen des
Islamischen Staats werden jetzt offenbar auf harscheste Weise
militärisch eliminiert. Allerdings ist selbst das wohl nur ein Teil
der Wahrheit. Die Ungewissheiten beginnen bei der Koalition selbst,
die die Bezeichnung kaum verdient, weil jeder darin vor allem auf
eigene Rechnung mitmischt. Der Öffentlichkeit wird wohlweislich
verschwiegen, wer hier – neben den USA – tatsächlich in den
Befehlsständen sitzt und Ziele auswählt.

An der völkerrechtlichen Legitimität des Vorgehens gegen die
sunnitisch-fundamentalistischen Milizen des Islamischen Staats (IS)
bestehen keine Zweifel, wohl aber an der Art, wie dieser Krieg von
Seiten bestimmender Teile der Koalition geführt wird. Bereits bei der
Befreiung oder besser Rückeroberung anderer irakischer Städte war es
mehr als nur eine Ahnung, dass sich die »Befreier« um die Einhaltung
des Kriegsvölkerrechts wenig scherten. Amnesty International hat dies
jetzt nur ein weiteres Mal unterstrichen.

Die Amerikaner, denen Flächenbombardements von zivilen Bereichen
Mossuls vorgeworfen werden, scheint ihr Wehklagen nach den
russisch-syrischen Luftangriffen beim Kampf um Aleppo jetzt nicht
mehr zu interessieren. Wohl auch, weil es einen wesentlichen
Unterschied zu Aleppo gab: Die Belagerten dort hatten
Abzugsmöglichkeiten und nutzten sie am Ende auch. Von Mossul ist auch
darüber nichts bekannt.

Pressekontakt:
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