neues deutschland: Kommentar zu Hasskampagnen im Internet

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Von Shitstorm ist die Rede, wenn im Internet ein
Schwall von Beschimpfungen über jemanden hereinbricht. Das erinnert
an einen Regenguss, den man als Reaktion auf eine unliebsame Äußerung
über sich ergehen lassen muss. Doch Wasser kann man abschütteln. Die
Tropfen trocknen. Die rassistische Hetze, die derzeit im Netz
kursiert, ist mit einem Shitstorm nicht zu vergleichen. Längst hat
sie eine neue Dimension erreicht. Der Blogger Heinrich Schmitz
kapitulierte kürzlich davor: Die vielen rechten Pöbeleien auf seine
Beiträge zur Flüchtlingspolitik im Debattenportal »The European«
hatten ihn mürbe gemacht. Eine perfide telefonische Drohung gegen
seine Familie brachte ihn schließlich zum Schweigen. Schmitz ist nur
ein Beispiel, das verdeutlicht, wie sehr ein rechter Psychoterror –
durch das Internet beflügelt – die Republik ergriffen hat.
Justizminister Heiko Maas appelliert jetzt an Facebook, seine
Gemeinschaftsstandards ernst zu nehmen und rassistische Einträge
künftig zügig zu löschen. Dieser Schritt ist richtig und wichtig,
doch kein Allheilmittel. Das Aufwiegeln und Pöbeln in den sozialen
Netzwerken wird zweifellos weitergehen – virtuell, aber mit
Schnittstelle ins wirkliche Leben: Denn auch ein Einzelner, der ein
Flüchtlingsheim in einem abgeschiedenen Ort attackiert, wähnt immer
noch die vielen Online-Rassisten hinter sich.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1715

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