neues deutschland: kommentiert Erdogans Auftritt ein Jahr nach dem Putschversuch

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Vergleichen heißt nicht gleichsetzen. Und mit
Parallelen zum Dritten Reich sollte man sehr sorgsam umgehen, gerade
hierzulande. Aber gewisse Analogien zwischen dem, was vor über 80
Jahren in Nazi-Deutschland geschah, und den Geschehnissen in der
heutigen Türkei lassen sich eben nur mit sehr großer Ignoranz
übersehen. Hat es in der Türkei am 15. Juli 2016 einen Putsch gegen
die Staatsführung gegeben? Ja, den gab es wohl – so wie es am 27.
Februar 1933 in Berlin einen Brandanschlag auf den Reichstag gab. Wer
ihn wozu nutzte, ist bekannt: Ermächtigungsgesetz, Außerkraftsetzung
der Grundrechte der Weimarer Verfassung, freie Bahn für die
Verfolgung aller politischen Gegner. Der Reichstagsbrand war
willkommenes Vehikel zur Etablierung der Nazi-Barbarei. Sehr
Ähnliches hat sich in den abgelaufenen zwölf Monaten in der Türkei
abgespielt. Nach einem Umsturzversuch, dessen Dilettantismus im
Nachhinein reichlich Fragen aufwirft, folgten Ausnahmezustand, die
Entmachtung des Parlaments, die Entlassung und/oder Verhaftung
Hunderttausender, schlicht: Terror. Hunderttausende Türken – und
mittelbar die ganze Welt – wurden nun am Wochenende der grausigen
Botschaft teilhaftig, die ihr Präsident in die Nacht von Istanbul
brüllte: Allen Putschisten und Verrätern die Köpfe abreißen! Es war
der schauerliche Höhepunkt einer vor Verlogenheit und dumpfem
Nationalismus triefenden Polit-Show.

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