neues deutschland: Kommentiert: Gysis Rückzugs-Ankündigung

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Die Linkspartei ohne Gregor Gysi an vorderster
Front – an diesen Gedanken müssen sich Freund und Feind wohl erst
noch gewöhnen. Ein Vierteljahrhundert gehörte der Rechtsanwalt aus
Ostberlin zu den prägendsten, ungewöhnlichsten, inspirierendsten
deutschen Politikern. Dass die LINKE heute stabil dasteht und sich
eine gesamtdeutsche Partei darf; dass die Ostdeutschen im schwierigen
Prozess der deutschen Vereinigung eine vernehmliche Stimme hatten und
haben – das ist ohne Gysis Lebensleistung kaum denkbar. Er saß schon
in den TV-Studios, da hockte seine Partei noch in der Schmuddelecke.
Er war Galionsfigur, Prellbock, Idol, Hassobjekt. War Zugpferd,
Stimmungskanone und Zuchtmeister seiner Partei. Kaum vorstellbar,
welchem politischen und emotionalen Druck Gysi gerade in den
Anfangsjahren der PDS ausgesetzt war. Nicht nur aus anderen Parteien.
Mit der Verabschiedung und dem Zurückholen von Spitzenleuten hat die
LINKE ja Erfahrung. Auch Gysi war schon einmal ausgestiegen und kam
dann zurück – weil die Partei ihn brauchte und weil er noch nicht
fertig war mit der Politik. Diesmal dürfte der Abschied aus der
ersten Reihe unwiderruflich sein. Die LINKE muss sich von ihrer
Primaballerina emanzipieren, im besten Sinne des Wortes. Gysis Abgang
beendet einen Generationswechsel in der Führung der Sozialisten. Für
seine Genossen hat er in Bielefeld ein politisches Vermächtnis
formuliert: keine Angst vorm Regieren. Das wird im Streit und in der
Debatte bleiben. Und Gysi wird mitstreiten.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1715

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