neues deutschland: Kulinarische Sozialisation – „neues deutschland“ zu verbindlichen Vorgaben für das Essen in Schulen und Kitas

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Nein, unterernährt ist kaum ein Kind in
Deutschland. Die Einkommensarmut der Eltern manifestiert sich auf
andere Weise bei den Kleinsten: Rund 15 Prozent der Kinder und
Jugendlichen gelten hierzulande als übergewichtig, sechs Prozent gar
als adipös. Betroffen sind insbesondere Kinder aus sozial
benachteiligten Familien, so die Befunde von
Ernährungswissenschaftlern. Kitas und Ganztagsschulen kommt hier eine
besondere Bedeutung zu: als Ort der kulinarischen Sozialisation. Die
Kinder können hier lernen, wie man sich richtig ernährt – und sie
werden richtig ernährt.

Doch offenbar ist das Essen in vielen Einrichtungen weniger
vollwertig, als man annehmen sollte: zu wenig Obst und Gemüse,
stattdessen zu viel Fleisch. In vielen Einrichtungen fehlt die Küche,
stattdessen beauftragen die Träger externe Dienstleister mit der
Versorgung. Hier setzt sich dann oft der billigste Anbieter durch.
Durch das lange Warmhalten verliert das Essen Nährstoffe und
Geschmack.

So gewinnen Alternativen wie Schokoriegel oder Fast-Food-Produkte
an Attraktivität. Natürlich entscheiden sich nicht alle Träger für
die billigste Variante, aber wenn an mehr als einem Drittel aller
Schulen die Gemüsebeilage öfter mal wegfällt, dann muss der
Gesetzgeber eingreifen. Die Länder müssen die Qualitätsstandards der
Deutschen Gesellschaft für Ernährung endlich verbindlich machen.
Sonst ist das Gejammer über adipöse Kinder vor allem eines:
heuchlerisch.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

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