neues deutschland: Politiker und Gewerkschafter:Ökonom Piketty hat Ungleichheit wieder auf die Tagesordnung gesetzt / Linkenchef Riexinger: einer »der wichtigsten Beiträge zur gesellschaftlichen Diskussion«

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Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger,
hat Thomas Pikettys Buch »Das Kapital im 21. Jahrhundert« als einen
»der wichtigsten Beiträge zur gesellschaftlichen Diskussion der
letzten Jahre« bezeichnet. Der französische Ökonom habe nachgewiesen,
»dass der gewachsene gesellschaftliche Reichtum nur einer Minderheit
zugute kommt und wir in einer Klassengesellschaft leben«, sagte
Riexinger der in Berlin erscheinenden Tageszeitung »neues
deutschland« (Montagsausgabe). Auch habe Piketty gezeigt, »dass diese
Dynamik des Kapitalismus immer mehr zu einer Oligarchie führt: Eine
kleine Elite von Vermögensbesitzern dominiert durch ihre finanzielle,
wirtschaftliche und politische Macht die Entwicklung der Gesellschaft
und vererbt Reichtum, Macht und Privilegien.«

Pikettys viel beachtete Studie war in der vergangenen Woche auf
Deutsch erschienen. Hans-Jürgen Urban vom geschäftsführenden Vorstand
der 
IG Metall nannte die Aufmerksamkeit, die Piketty mit
seinem Buch hervorgerufen hat, erfreulich. Dies eröffne eine neue
Chance, »die Polarisierung in der Einkommens- und Vermögensverteilung
als Systemdefekt des kapitalistischen Marktes zu analysieren – und
entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen«. Alle politischen Akteure
mit gerechtigkeitspolitischen Absichten seien gefordert, sich dieser
Debatte zu stellen. »Das gilt auch für die Gewerkschaften«, so Urban
gegenüber „nd“.

Die Generalsekretärin des Europäischen Gewerkschaftsbunds ETUC,
Bernadette Ségol, sagte, »die Ausbreitung von Ungleichheit ist einer
der größten moralischen Skandale unserer Zeit und ein sozialer wie
ökonomischer Nachteil für unsere Gesellschaft als Ganzes«. Mit Blick
auf Pikettys Studie sagte sie: »Das Ausmaß des Problems wird langsam
verstanden, aber wir brauchen eine noch breitere Debatte über
Lösungen dafür.«

Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold wies darauf hin, dass es
die gegenwärtige Krise in Europa »mit einer gerechteren Einkommens-
und Vermögensverteilung, wie sie auch Thomas Piketty vorschlägt«, so
nicht gegeben hätte. »Daher ist ein Lastenausgleich, in dem die
Vermögenden in allen Ländern zur Überwindung der Krise beitragen, so
wichtig«, so Giegold gegenüber »nd«.

Der Vorsitzende der Europäischen Linken und Generalsekretär der
Kommunistischen Partei Frankreichs, Pierre Laurent, sagte, »das Werk
von Piketty beweist, dass das Anwachsen von sozialer Ungleichheit
Ergebnis der Ungleichheit der Vermögen ist und nicht der Unterschiede
der individuellen Leistungen. Das erlaubt eine Debatte über die
Besteuerung von Reichen.«

Der Österreicher Walter Baier, Koordinator des linken europäischen
Netzwerks »transform!«, nannte die Verteilungsfrage »eine Grundfrage.
Sie beschränkt sich nicht auf Einkommen und Güter, sondern schließt
Eigentum, Macht, Ressourcen, Information und Lebenschancen ein«. Die
gegenwärtig negative Entwicklung müsse »ins Zentrum
wissenschaftlicher und öffentlicher Erörterung rücken. Dazu tragen
Pickettys Buch und seine Übersetzung ins Deutsche bei.«

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Telefon: 030/2978-1715

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