neues deutschland: Zu den aktuellen Tarifauseinandersetzungen

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Alle paar Jahre wiederholt Angela Merkel den Satz,
Deutschland gehe es so gut wie lange nicht mehr. Dies bezieht die
Kanzlerin auf die hierzulande vorerst überwundene Wirtschaftskrise.
Doch obwohl sich die deutsche Konjunktur gut entwickelt und die
Steuereinnahmen vergleichsweise hoch sind, kommt der Aufschwung bei
vielen nicht an. Das liegt nicht nur an der Sozialpolitik, die
zahlreichen Abhängigen von staatlichen Leistungen kein
menschenwürdiges Leben ermöglicht, sondern auch an der Lohnpolitik
des Staats und diverser privater Unternehmen. Diese weigern sich in
vielen Bereichen, angemessene Gehälter zu zahlen. Zu beobachten ist
dies etwa beim Tarifstreit im öffentlichen Dienst sowie in den
Auseinandersetzungen um höhere Einkommen in der Metall- und
Elektroindustrie. Die sogenannte Arbeitgeberseite zählt zu den
wenigen großen Profiteuren des Aufschwungs. Trotzdem macht sie
lediglich niedrige Angebote, die wegen der erwarteten Inflation nur
minimale Verbesserungen oder sogar einen Reallohnverlust für die
Beschäftigten bedeuten würden. Es ist also verständlich, dass die
Gewerkschaften dem nicht zustimmen wollen. Wenn sich die Vertreter
der Lohnabhängigen in nächster Zeit am Verhandlungstisch nicht
durchsetzen sollten, ist eine Ausweitung der Streiks dringend
notwendig. Sie sind in der derzeitigen Situation das geeignete
Mittel, um zumindest etwas mehr Gerechtigkeit für die Werktätigen zu
erzwingen.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

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