neues deutschland: Zu den Ostermärschen

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Wer die Ostermärsche vor 20 Jahren mit heutigen
vergleicht, kann zum Ergebnis kommen, dass sie inzwischen ein
Schatten ihrer selbst sind. Eine Nachhut. Angesichts der realen
Beteiligung Deutschlands an militärischen Konflikten ein
beunruhigender Befund. Denn zu den Hochzeiten der Ostermärsche war
der Krieg reale Gefahr, aber nicht zu erleiden. Das hat sich
geändert. Die Beteiligung Deutschlands ist real. Er wird erlitten.
Nur nicht hier. Dennoch ist es voreilig zu meinen, Frieden sei kein
interessierendes Thema mehr. Umfragen etwa über Auslandseinsätze der
Bundeswehr offenbaren immer wieder klare Mehrheiten. Richtig ist
freilich, dass Frieden kein öffentliches Thema mehr ist. Mit
unterschiedlichen Intentionen stellen das gern jene Verwirbeler
öffentlicher Meinung fest, die ihm sonst keinen Raum für Debatten
geben. Und die Behauptung, Ostermärsche verlören an Bedeutung, klingt
wie eine Art Siegesmeldung. Kein Wunder, sie kommt aus den Reihen des
Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und
Verteidigungsindustrie. Doch gerade darin liegt die Bedeutung der
Ostermärsche. Sie zeigen den Bodensatz der Erregung, der sich selbst
in Zeiten wie diesen nicht beschwichtigen lässt. Das Potenzial ist
mächtiger als die Vorboten. Wie bei ungeliebten Großprojekten der
Zorn erst aufsteigt, wenn vermeintliche Sicherheiten sich vor aller
Augen auflösen. Allerdings ist es ein Potenzial von Angst, auf das
man bauen muss und deshalb nicht hoffen möchte. Dennoch: Die
Ostermarschierer von Heute sind keine Nachhut, sondern Vorboten.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1715

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