neues deutschland: Zu Erdogans Kurdenfeldzug

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Die Türkei führt die Welt an der Nase herum und
zwar auf ziemlich durchsichtige Weise, aber die Verbündeten machen
mit, zumindest Deutschland. Mit ernster Miene eine türkische
Verlautbarung nachzubeten, von der man weiß, dass sie die Wahrheit
eher verkleistert als abbildet, das ist schon eine kabarettreife
Leistung. Wenn mal wieder über die Gründe von Politikverdrossenheit
gegrübelt wird, sollte man dieses prächtige Beispiel für
Volksverdummung nicht aus dem Auge verlieren, dessen uns das
Auswärtige Amt am Mittwoch teilhaftig werden ließ. Lustig ist daran
aber rein gar nichts. Was Präsident Erdogan gegenwärtig durchzieht,
ist eine weitere Eskalation des Syrien-Krieges. Es ist
Anti-Terror-Kampf nach seiner Methode: Ihr Verbündeten unterstützt
meinen Kampf gegen Terrorismus, aber wer die Terroristen sind,
bestimme ich allein. Die Bundesregierung hat keine 24 Stunden
gezögert, diese fette Kröte zu schlucken. »Offensichtlich besteht da
ein Interesse der Türkei«, verlautbarte Steinmeiers Sprecher überaus
gleichgültig. Da darf man doch erstaunt sein. Gestern noch wurde »aus
humanitären Gründen« vehement eine Luftbrücke für Aleppo gefordert
und der ablehnende Putin von Merkel deswegen als Zyniker gescholten.
Was tatsächlich zynisch ist: Erdogans »Terroristen«, das sind genau
jene Kurden, die auch Berlin noch vor zwei Jahren als Helden von
Kobane feierte. Nein, das ist kein Kabarett, das ist
Schmierenkomödie.

Pressekontakt:
neues deutschland
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