neues deutschland: Zur europäischen Sicht auf die türkische Politik¶

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Bei den NATO-Partnern blickt man derzeit mit
sorgenvoller Miene in Richtung Türkei. Der militärische
Abenteuer-Trip der politischen Führung in Ankara samt ihrer rabiaten
Artikulation gegen alles politisch Missliebige dürfte weder in Berlin
Begeisterung ausgelöst haben – nicht einmal Verständnis – noch in
Brüssel. Dort verhandelt man ja offiziell immer noch über eine
Mitgliedschaft der Türkei in der hehren Wertegemeinschaft EU. Das
Missbehagen der Verbündeten sollte allerdings nicht fehlgedeutet
werden. Der traditionell kriminelle Umgang des türkischen Staates mit
Kurden und Linken und vor allem mit denen, die beides zugleich sind,
wurde in der Vergangenheit mehr mit vermeintlichen äußeren Zwängen
entschuldigt als in der Sache kritisiert. Und auch jetzt muss man
keine besondere Empathie des Westens mit den Opfern von Erdogans
militanten Rundumschlägen vermuten. Das Problem hat man vielmehr mit
dessen Unberechenbarkeit. Das stört nicht zuletzt die USA, die
bezüglich der Behandlung der kurdischen Minderheiten in den
verschiedenen Staaten der Region, speziell in Irak und Syrien, mit
Ankara klar über Kreuz liegen. Der Umstand, dass sich die
Bundeskanzlerin am Sonntag veranlasst sah, ihren Amtskollegen
Davutoglu zum »Maßhalten im Umgang mit den Kurden« zu mahnen, ist
Ausdruck dieses Ärgers. Solange Deutschland aber die anachronistische
Totalverdammung der PKK nicht einmal in Frage stellt, wird man die
Kritik in Ankara nicht sehr ernst nehmen.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion / CvD

Telefon: 030/2978-1721

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