NOZ: Deutscher Botschafter lobt Marokko euphorisch – „Glauben Sie nicht der deutschen Presse“

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Deutscher Botschafter lobt Marokko euphorisch:
„Glauben Sie nicht der deutschen Presse“

Ministerpräsident Benkirane lädt Exilanten zur Rückkehr ein

Osnabrück. Vor der Abstimmung im Bundesrat über den Status als
sicheres Herkunftsland in dieser Woche hat Marokkos Ministerpräsident
Abdelkrim Benkirane das Maß an Freiheit und Sicherheit in dem
nordafrikanischen Staat betont. „Es gibt niemanden, der nicht nach
Marokko zurückkommen kann“, sagte der Regierungschef auf einer
Podiumsdiskussion der Konrad-Adenauer-Stiftung in der marokkanischen
Hauptstadt Rabat. Er lade im Ausland lebende Marokkaner zur Rückkehr
ein. Während sich Marokkaner andernorts einer immer offeneren
Fremden- und Islamfeindlichkeit erwehren müssten, gebe es in Marokko
keine Feindseligkeit Ausländern gegenüber.

Auch der deutsche Botschafter in Marokko, Volkmar Wenzel,
beschrieb das Land als stabil und prosperierend. Der Diplomat warf
der deutschen Presse vor, systematisch falsch zu berichten und die
Lage zu dramatisieren. Auf einem Empfang des
Euro-Mediterran-Arabischen Ländervereins (EMA) in Casablanca sagte
der Diplomat Ende Mai, der einseitige und negative deutsche Blick auf
das Land verbittere ihn inzwischen. „Die Kritiker interessiert die
Wahrheit nicht“, sagte er und nannte ein Beispiel: „Was immer auch
behauptet wird: In Marokko wird nicht gefoltert.“ Alles andere stimme
nicht. „Ich rate Ihnen dringend: Glauben Sie nicht der deutschen
Presse“, sagte Wenzel mit Blick auf Marokko. „Glauben Sie nicht, was
im ,Spiegel– steht.“

Für den Botschafter ist Marokko „sensationell erfolgreich“. Das
Land mit problematischen Staaten über einen Kamm zu scheren, weil es
ebenfalls muslimisch geprägt sei, sei unsachgemäß. „Marokko hat eine
Identität“, hob Wenzel als Unterschied etwa zu Syrien oder Libyen
hervor. Dies sei nicht zuletzt ein Verdienst der Monarchie – in
Marokko mit der Sonderform, dass der König zugleich das religiöse
Oberhaupt des Landes ist. Der arabische Frühling habe deshalb keine
derart „verheerende Wirkung“ entfalten können wie andernorts, sagte
Wenzel. Auch die Regierungspartei, die dem Islamismus zuzurechnen
ist, sei untypisch und verschaffe sich viel Anerkennung, weil sie
königstreu und wirtschaftsliberal sei und so für Stabilität und
Wachstum sorge.

„Ich lege mich fest“, sagte Botschafter Wenzel:“Marokko ist das
einzige arabische Land, in dem es ein gesundes Gleichgewicht gibt aus
Tradition und Stabilität, Religion und Demokratie.“ Vergleichbar sei
es in seiner Freiheit und Dynamik allenfalls mit Tunesien – dort aber
stelle sich die Frage der politischen Stabilität. Probleme in
Marokko, die fraglos etwa im Umgang mit Homo-, aber auch allgemeiner
außerehelicher Sexualität bestünden, seien einer generellen
gesellschaftlichen Rückständigkeit zuzuschreiben, nicht primär dem
Islam.

Benkirane und der Botschafter äußerten sich zum Thema am 30.
beziehungsweise 31. Mai im Rahmen einer EMA-Delegationsreise durch
Marokko in Begleitung von EMA-Präsident Christian Wulff.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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