NOZ: Gespräch mit Gernot Erler, Russlandbeauftragter der Bundesregierung

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Erler: Russen könnten sich vom Westen abwenden

Russlandbeauftragter sieht Prozess der Neuorientierung – Warnung
vor „Stellvertreterkrieg“ in der Ukraine

Osnabrück.- Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot
Erler, hat davor gewarnt, dass Russland sich weltpolitisch neu
orientieren könnte. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker
Zeitung“ (Freitag) sagte Erler: „Am 25. Jahrestag ihrer
Unabhängigkeit steht die Russische Föderation im tiefsten Konflikt
mit dem Westen seit dem Ende des Kalten Krieges und sie befindet sich
mitten in einem Prozess der Reorientierung.“ Die westliche Kritik an
der Annexion der Krim und an den Interventionen in der Ostukraine
werde nicht akzeptiert und rufe im Lande Kräfte wach, „die
vorschlagen, sich vom Westen abzuwenden“.

Als Alternativen werden in Moskau nach den Worten von Erler unter
anderem die G20-Staatengruppe und die BRICS-Staaten genannt (BRICS
steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika). Außerdem
verwies Erler auf die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit
(SCO), die Eurasische Wirtschaftsunion und die „Chinesische Karte“.
Er betonte: „Der Ausgang dieser Orientierungssuche erscheint offen.“

Der SPD-Politiker warnte davor, Waffen an die Ukraine zu liefern
und damit einem „Stellvertreterkrieg“ auf europäischem Boden die Tür
zu öffnen. Deutschland unterstütze stattdessen die europäischen
Bemühungen, eine politische Lösung des Konflikts mit Russland zu
finden. Um diesem Ansatz Nachdruck zu verleihen, habe sich die EU auf
ein stufenweises Sanktionsregime verständigt. Erler erläuterte,
Russland habe, gerade auch wegen der für beide Seiten vorteilhaften
Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland, nicht mit einer solchen Rolle
Berlins gerechnet und sehe deshalb die bilateralen Beziehungen „in
einem gefährlichen Härtetest“.

An diesem Freitag begeht die Russische Föderation ihren
Nationalfeiertag. Russland hatte am 12. Juni 1990 im Zuge des
Zerfalls der Sowjetunion seine Unabhängigkeit erklärt.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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