NOZ: Gespräch mit Rupert Neudeck, Vorsitzender von Grünhelme e.V.

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Neudeck: Serbien sollte Srebrenica als
Völkermord anerkennen

„EU muss Anerkennung zur Vorbedingung für Beitrittsverhandlungen
machen“ – „Massaker könnte sich an mehreren Plätzen der Welt
wiederholen“

Osnabrück. Serbien sollte nach Ansicht des Grünhelme-Vorsitzenden
Rupert Neudeck das Massaker von Srebrenica vor 20 Jahren als
Völkermord anerkennen. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker
Zeitung“ (Freitag) forderte Neudeck, die Europäische Union sollte
diese Anerkennung zur Vorausbedingung für die Beitrittsverhandlungen
mit Serbien machen. Das Land müsse endlich seine Täterrolle
akzeptieren und sich bei den Opfern entschuldigen. Ein rein formales
Eingeständnis des furchtbaren Verbrechens vom 11. Juli 1995 reiche
nicht aus. An diesem Tag ermordeten serbische Truppen mehr als 8000
bosnisch-muslimische Männer und Jungen. Neudeck sagte, die
Aufarbeitung des Massakers habe noch gar nicht richtig begonnen. „Wir
müssen uns klar machen, dass hier ein Völkermord an Muslimen
stattgefunden hat“, betonte der Vorsitzende des Friedenscorps
Grünhelme. Aus westlicher Sicht seien die Christen meistens die Opfer
eines muslimisch angeheizten Terrors bestimmter Verbrecherbanden.
1995 sei dagegen ein Krieg von einem sich ausdrücklich christlich
gebenden Land ausgegangen. Orthodoxe Bischöfe hätten serbische
Milizen gesegnet, die tausende Muslime in Bosnien vernichtet hätten.
Der Vorsitzende der Grünhelme sagte, gegenwärtig könne sich ein
Völkermord wie in Srebrenica an mehreren Plätzen der Welt
wiederholen. „Wir können nicht ausschließen, dass ein Massaker durch
aufgepeitschten Hass gegen andere Nationen, Rassen und Religionen
weiter geschieht“, sagte Neudeck. „Deswegen sind alle Anstrengungen
dagegen zu unternehmen.“ Als mögliche Orte für einen Völkermord
nannte er den Bürgerkrieg in Burma, der tausende Menschen nach
Thailand und an die Küste von Malaysia getrieben habe. Auch im Jemen
könne es zu einem „genozidalen Hass“ einer Stammesgesellschaft
kommen. Syrien stehe ebenfalls kurz vor einem Völkermord, weil die
Regierung in Damaskus Fassbomben aus offenen Hubschraubern auf die
Bewohner der Millionenstadt Aleppo werfen lasse. Neudeck nannte es
ein Dilemma, dass mehrere Angeklagte der Verbrechen von Srebrenica
zwar vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag stehen,
aber auch nach jahrelangen Verfahren noch nicht verurteilt worden
sind. „Die Menschen, die Opfer sind, weil ihre Angehörigen ermordet
wurden, fühlen sich durch diese langen Prozesse bestraft“, sagte der
Vorsitzende der Grünhelme. Die Grünhelme setzt sich als
interreligiöse deutsche Hilfsorganisation für den Wiederaufbau in
Kriegs- und Krisengebieten ein.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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