NOZ: Gespräche mit Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale des Bundesverbands (VZBV) und Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes

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Sinkende Sparquote: Bankenverband gelassen,
Verbraucherschützer kritisiert Finanzbranche

VZBV-Chef Klaus Müller ruft zu Abkehr von provisionsbasierter
Beratung auf – Bankenverband-Hauptgeschäftsführer Kemmer:
Konsumneigung zeigt Vertrauen der Menschen in eigene Lebenssituation

Osnabrück.- Deutschlands oberster Verbraucherschützer hat
anlässlich des Weltspartages an diesem Donnerstag zur Abkehr von der
provisionsbasierten Finanzberatung in Banken und Sparkassen
aufgerufen. Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands
(VZBV), Klaus Müller, sagte in einem Gespräch mit der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag): „In vielen Fällen findet wegen des
Provisionsanreizes keine sachgerechte Beratung mehr statt, sondern
schlicht ein Verkaufsgespräch.“ Die Kunden würden nicht umfassend
beraten, „sondern man verkauft ihnen ein Finanzprodukt“. Dies
schwäche das ohnehin angeschlagene Verbrauchervertrauen in die
Branche.

Der VZBV-Chef verwies auf Großbritannien und die Niederlande, wo
einzelne Anbieter auf provisionsbasierten Vertrieb verzichteten und
ihre Beratung und Produkte stattdessen zu transparenten Festpreisen
anböten.

Banken und Sparkassen tragen nach Müllers Einschätzung stark dazu
bei, dass in Deutschland derzeit weniger gespart wird. Mitursache sei
ein Mangel an Vertrauen. Der Vertrauensbruch durch die Finanzkrise im
Jahre 2008 sei noch nicht geheilt. „Bei den Verbrauchern besteht bis
heute das diffuse Gefühl: Da agiert eine Branche außerhalb ihrer
gesellschaftlichen Sphäre“, sagte Müller und empfahl: „Die Branche
muss sich an die eigene Nase fassen.“

Der Bundesverband deutscher Banken sieht die sinkende Sparquote in
Deutschland gelassen. Es bestehe kein Grund zur Sorge, sagte
anlässlich des Weltspartages der Hauptgeschäftsführer des
Bankenverbandes, Michael Kemmer, in einem Gespräch mit der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). „Am Weltspartag wird dieses Jahr
eben weniger gespart und stattdessen die Konjunktur gepusht.“

Kemmer erläuterte: „Eine geringere Sparquote ist ja bekanntlich
nichts anderes als der Kehrwert einer höheren Konsumquote und damit
einer stabilen konjunkturellen Entwicklung.“ Empirisch gesehen
bedeute eine niedrige Sparquote sogar ein höheres Vertrauen der
Menschen in die eigene Lebenssituation. Ziel der Geldpolitik der EZB
sei, die Ausgabenbereitschaft der Menschen zu erhöhen – „und zwar
nicht nur für Investitionen, sondern auch für Konsum.“ Für ein
wirtschaftspolitisches Eingreifen zur Steigerung der Spartätigkeit in
Deutschland sieht er keine Notwendigkeit.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hatte sich zuvor besorgt
über die seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 sinkende
Sparquote geäußert.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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