NOZ: Interview mit Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

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DIW regt Flüchtlingsgipfel von Politik und
Wirtschaft an

Präsident Fratzscher hält Steuererhöhungen und Anpassung des
Mindestlohns für überflüssig

Osnabrück. Der Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat einen
Flüchtlingsgipfel von Politik und Wirtschaft vorgeschlagen. In einem
Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der Ökonom, ohne
die Unterstützung der Unternehmen und ihrer Spitzenvertreter werde
die Integration scheitern. „Der Staat kann die Flüchtlinge materiell
unterstützen, kann ihnen helfen bei Sprachkursen, sie begleiten bei
der Integration“, führte der DIW-Präsident aus. Aber letztlich spiele
die Wirtschaft eine zentrale Rolle. Angesichts der Kosten von Aus-
und Weiterbildung für die Flüchtlinge sprach sich Fratzscher für eine
Teilung der Ausgaben aus.

„Wenn die Politik nicht mitmacht oder wenn die Wirtschaft nicht
mitmacht, dann wird dieser Integrationsprozess scheitern“, sagte er.
Gleichzeitig wandte sich Fratzscher dagegen, das Renteneintrittsalter
oder die Steuern zu erhöhen. Die Flüchtlinge seien „eine große
Chance, um das Rentensystem in Deutschland nachhaltig abzusichern“.
Andere Interpretationen seien „absolut falsch“. Wenn das
Renteneintrittsalter angehoben werde, dann nicht wegen der
Zuwanderung, sondern weil die Menschen immer älter würden.

„Wir haben heute eine außergewöhnlich gute Lage der öffentlichen
Haushalte. Wir werden also auch im nächsten Jahr Überschüsse in den
öffentlichen Haushalten haben, auch trotz der zusätzlichen Kosten für
die Flüchtlinge“, sagte der Ökonom. Forderung nach einer Senkung des
Mindestlohns nannte er „populistisch“ und „brandgefährlich“.
Verschiedene Gruppen des Arbeitsmarkts gegeneinander auszuspielen
gefährde die Willkommenskultur in Deutschland.

Gleichwohl sprach sich auch Fratzscher dafür aus, Zuwanderung
stärker zu reglementieren. Ein Einwanderungsgesetz könne etwa
Balkan-Flüchtlingen die Möglichkeit geben, die Chancen auf eine
Zukunft in Deutschland klären zu lassen, während sie in ihrer Heimat
blieben. Ein solches Vorgehen vermeide Härten auf beiden Seiten.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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