NOZ: Migrationsforscher warnt vor Prognosen zu Flüchtlingszahlen

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Migrationsforscher warnt vor Prognosen zu
Flüchtlingszahlen

Jochen Oltmer: Keine „Beruhigungspillen“ verteilen

Osnabrück. Migrationsforscher Jochen Oltmer von der Universität
Osnabrück hat davor gewarnt, konkrete Flüchtlingszahlen für das
laufende Jahr zu nennen und so „Beruhigungspillen“ verteilen zu
wollen. Oltmer sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag):
„Letztlich bedeuten solche Zahlen nicht viel, wie wir aus dem
vergangenen Jahr wissen.“

Oltmer betonte: „Wir wissen bis heute nicht einmal, wie viele
Menschen 2015 in die Bundesrepublik gekommen sind.“ Es gebe eine
riesige Anzahl nicht bearbeiteter Asylanträge. Zudem seien viele
Menschen noch gar nicht registriert. „Das Verkünden einer neuen Zahl
bringt uns da nicht weiter. Sie ist maximal ein Anhaltspunkt für die
Verwaltung.“

Die „Rheinische Post“ hatte zuvor berichtet, die Bundesregierung
rechne 2016 mit etwa 500.000 Flüchtlingen. Innenminister Thomas de
Maizière habe Behördenleiter Frank-Jürgen Weise die Vorgabe gemacht,
das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auf diese
Flüchtlingszahl auszurichten. Das Bundesinnenministerium erklärte
allerdings, es gebe keine entsprechende Vorgabe des Ministeriums an
das BAMF.

Ein Scheitern des EU-Gipfels am Donnerstag erwartet Oltmer nicht.
„Es werden Perspektiven präsentiert werden, die als machbar
erscheinen, die aber am Ende nicht mehr sein werden als kleine
Bausteine für eine Gesamtlösung.“ Der Wissenschaftler mahnte:
„Lösungen kann es angesichts der hochkomplexen Probleme nicht binnen
Wochen oder Monaten geben. Sie werden Jahre in Anspruch nehmen.“

Oltmer warnte, Grenzschließungen würden nicht nur sehr hohe Kosten
verursachen. „Es wird dadurch am Ende auch kein Problem gelöst. Die
Probleme werden dadurch nur verlagert. So könnten die Flüchtlinge
ihre Routen ändern.“ Der Forscher bezeichnet es aber als wichtig, den
Grenzschutz zu verbessern und den Zuzug von Flüchtlingen besser zu
koordinieren. Zugleich müsse die Lage der Flüchtlinge in den
Erstaufnahmeländern wie Jordanien, Libanon und Türkei verbessert
werden. Und schließlich müssten auch globale Perspektiven entwickelt
und Umsiedlungsprogramme ins Auge gefasst werden. „Es geht darum,
früher auf Konflikte zu reagieren – durch Hilfe vor Ort, aber
notfalls auch durch Resettlement-Programme.“

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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