NOZ: NOZ: Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt vor Ausbreitung der aktiven Sterbehilfe

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Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt vor
Ausbreitung der aktiven Sterbehilfe

Vorstand Brysch: Töten ist ansteckend

Osnabrück. Vor der Amsterdamer Weltkonferenz Euthanasie 2016 warnt
die Deutsche Stiftung Patientenschutz vor einer weiteren Zunahme
aktiver Sterbehilfe in den Beneluxstaaten. In einem Gespräch mit der
„Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag) sagte Vorstand Eugen Brysch:
„Offenkundig ist Töten ansteckend.“ In den Niederlanden, wo aktive
Sterbehilfe erlaubt ist, seien solche Tötungen seit 2006 um knapp 300
Prozent auf 5277 Fälle im Jahr 2015 nach oben geschnellt. Die Zahlen
in Belgien seien noch dramatischer: Hier habe sich die Zahl im selben
Zeitraum von 429 auf 2021 verfünffacht. Für Brysch eine dramatische
Entwicklung: „Zehnmal mehr Menschen sterben in den Niederlanden durch
Euthanasie als dort im Straßenverkehr.“ Während hier jeder einzelne
Tote einer zu viel sei, bagatellisierten die Euthanasie-Befürworter
die Tötung durch den Arzt.

Auch werde in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, als sei die
Euthanasie weltweit auf dem Vormarsch. Das Gegenteil sei der Fall.
Nur in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg habe sich die aktive
Sterbehilfe durchgesetzt: „Bei Menschen in Lebenskrisen überlässt der
Staat dort das Feld den Euthanasie-Befürwortern“, kritisierte Brysch.
„Die anderen 190 Länder der Welt gehen einen anderen Weg.“

Ein Sterbe-Tourismus in die Nachbarländer sei nicht festzustellen.
So müsse ein Deutscher eine sehr enge Beziehung zu einem
niederländischen Arzt haben. Das sei in der Regel aber nicht der
Fall.

Das Verbot von aktiver Sterbehilfe und geschäftsmäßiger Beihilfe
zum Suizid in Deutschland dürfe aber nicht die alleinige Antwort auf
die Nöte der schwerstkranken Menschen sein. Brysch forderte mehr
Alternativen für Kranke und Leidende: „Schwerstkranke, Sterbende,
Pflegebedürftige und Menschen in Lebenskrisen brauchen umfassende und
professionelle Angebote der Begleitung.“ Gerade die Sterbenden in den
Pflegeheimen haben von dem neuen Hospiz- und Palliativ-Gesetz kaum
etwas. „Für die 200 000 sterbenden Pflegeheimbewohner mit
Palliative-Care-Bedarf brauchen wir mehr Pflegekräfte und Geld, um
sie auf Hospiz-Niveau zu versorgen“, sagte Brysch. Dafür müsse
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)720 Millionen Euro pro
Jahr bereitstellen.

Am Donnerstag beginnt in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam
die Weltkonferenz Euthanasie 2016 mit rund 800 Wissenschaftlern,
Juristen, Politikern und Ärzten. Die Konferenz wird alle zwei Jahre
von der Initiative für ein Recht auf Sterbehilfe organisiert.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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