NOZ: Wulff warnt vor weltweiter Ausbreitung des Terrors

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Wulff warnt vor weltweiter Ausbreitung des
Terrors

Altpräsident ruft zu Ausgleich mit Afrika und islamischer Welt auf
– Kritik an USA und zweierlei Maß bei Menschenrechten

Osnabrück. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat den
Westen eindringlich zu einer Verständigung mit dem islamischen Raum
aufgerufen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“
(Donnerstag) sagte er mit Blick auf die zahlreichen dortigen
Konflikte, „die Welt muss massiv auf deren Beendigung hinwirken, auch
um fatale Folgen wie eine globale Ausbreitung des Terrors zu
verhindern“. Ein Einsatz für Afrika und ein Ausgleich mit der
islamischen Welt und ihren demnächst zwei Milliarden Bewohnern sei
„eine existenzielle Frage“. Das Mittelmeer dürfe keine trennende
Wirkung haben, sondern eine verbindende. „Unter diesem Gesichtspunkt
waren die Menschen vor 2000 Jahren weiter als heute“, wünschte sich
Wulff mehr Austausch, Akzeptanz und Zusammenarbeit.

Der Altpräsident plädierte für Selbstkritik. So sagte er mit Blick
auf amerikanische Verletzungen der Menschenrechte, „häufig wird mit
zweierlei Maß gemessen“. Es täte dem europäischen Verhältnis zum
islamischen Raum gut, „im Dialog mit den Amerikanern Fragen des
Abhörens, der Behandlung von Gefangenen in den USA aber auch in
Guantanamo oder im Irak kritisch aufzuarbeiten“. Die Europäer hätten
„nicht immer klar gemacht, dass jeder Mensch seine ihm eigene Würde
hat, egal, aus welchem Land er kommt und was er glaubt“.

Ferner müssten die Erwartungen des Westens an andere Kulturen
realistisch sein. „Wir haben in ganz Deutschland Einheit, Freiheit
und Demokratie gerade seit 25 Jahren und zuvor schreckliche Irrwege
erlebt“, erinnerte Wulff. Die Gleichberechtigung sei noch
ausbaufähig. „Andere Gesellschaften in ihrer kulturellen Qualität nun
bevorzugt danach zu bemessen, wie sie etwa noch mit Homosexualität
umgehen, ist naiv und belegt ein mangelndes Verständnis für
historische und gesellschaftliche, politische und psychologische
Prozesse“, mahnte das frühere Staatsoberhaupt. „Wir dürfen anderen
nicht unser System überstülpen und behaupten, es sei genau so das
allein selig machende“, erklärte Wulff. „Ich erinnere auch an das
Recht auf Souveränität und das Prinzip der Nicht-Einmischung in
innere Angelegenheiten“, schloss er.

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Wulff sieht globale Führungsrolle Merkels

„Beispiellose Ausstrahlung“ – Lob auch für Steinmeier –
Altpräsident stolz auf Deutschland

Osnabrück. Altpräsident Christian Wulff hat den Kurs von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingspolitik
nachhaltig unterstützt. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker
Zeitung“ (Donnerstag) sagte er, „überall, wohin ich im Ausland komme,
werde ich nach dem ,Phänomen Merkel– gefragt“. Sie werde als „Fels in
der Brandung“ wahrgenommen. „Inzwischen hat sie nicht nur eine
europäische, sondern eine globale Führungsrolle inne“, sagte Wulff.
Merkels weltweite Ausstrahlung sei „beispiellos“. Der Ruf
Deutschlands und speziell seiner Kanzlerin stelle selbst im weit
entfernten Argentinien die USA in den Schatten. „Was ich persönlich
bewundere, ist: Angela Merkel lässt sich nicht bewegen zum
Populismus, nicht dazu, den Leuten nach dem Mund zu reden oder Dinge
zu versprechen, die sie nicht halten kann, sondern geht ihren Weg
konsequent, und zwar einen nicht einfachen Weg“, sagte Wulff.

Auch auf anderen Feldern als der Flüchtlingspolitik leiste Merkel
gemeinsam mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerst
erfolgreiche Arbeit. „Wir blicken oft nur auf die Probleme, Kriege,
Krisen und Anschläge, aber ich erlebe im Ausland auch ganz konkret
die deutschen diplomatischen Erfolge“, sagte Wulff. Das gelte für die
Ukraine, wo Merkel mit den Minsker Abkommen zur Eindämmung des
Konflikts wesentlich beigetragen habe, er sehe es auch in der
arabischen Welt, wo Steinmeier in der Vermittlung zwischen Saudi
Arabien und Iran auf beiden Seiten akzeptiert werde, „und ganz
aktuell sehe ich es in Libyen, wo deutsche Diplomaten maßgeblichen
Anteil daran haben, dass sich die Lage stabilisiert. „Und weil es
nicht der Stil des Außenministers ist, sich mit geschwellter Brust
ständig selbst zu loben, kann ich das an dieser Stelle aus
Überzeugung tun“, sagte der Altpräsident über Steinmeier.

Im Rückblick auf das Jahr 2015 sagte Wulff, er freue sich, „dass
wir aus einer großen gesellschaftlichen Mitte heraus Muslimen einen
Platz geben und damit ein Beispiel für gelingendes Miteinander
liefern“. Wenn er sehe, „wie die deutsche Bevölkerung mit diesem
Thema umgeht, bin ich stolz, in unserem Land zu leben. Und ich sage
Ihnen: Deutschland wird das schaffen.“ Wulff rief dazu auf, sich
engagiert für das vereinte Europa als „wunderbare Errungenschaft“
einzusetzen, auch wenn dabei Selbstkritik gefragt sei.

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Wulff verurteilt AfD scharf

„Eindeutig rechtspopulistisch“ – Aufruf zu Engagement gegen
Intoleranz

Osnabrück. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat in
scharfen Worten vor der Alternative für Deutschland (AfD) gewarnt. In
einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag)
sagte der CDU-Politiker, „die AfD versammelt Menschen mit einem
gefährlichen Weltbild, die die Vergangenheit verklären und glauben,
sich weltweiten Entwicklungen verschließen zu können“. Die Partei sei
„eindeutig“ rechtspopulistisch und mache eine Politik zu Lasten von
Minderheiten. „Von Lucke bis Henkel haben sich selbst AfD-Gründer
geschockt von ihren Erfahrungen in der AfD abgewandt“, erinnerte
Wulff an jüngste Vorkommnisse. „Man muss sehr ernst nehmen, was sich
in Deutschland an Radikalisierung in den vergangenen Monaten getan
hat“, mahnte das ehemalige Staatsoberhaupt.

Wulff rief die Gesellschaft dazu auf, sich stärker gegen
Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit zu engagieren. „Ressentiments
passen nicht zu einem Land, das wie kein anderes vom weltweiten
Wettbewerb und Handel profitiert.“ Nötig sei ein enormes Bemühen, das
immer wieder klar zu machen. „Für mich ging ein Licht im Herzen an,
als die Lichter der Kirchen ausgingen, als Pegida da vorbei
marschierte“, sagte Wulff. Solche Signale aktiven demokratischen
Engagements wünsche er sich mehr. „Es braucht eine stärkere
Politisierung, um die Werte unserer Verfassung zu verteidigen“,
appellierte der Altpräsident an die Bevölkerung.

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Wulff besorgt über Verhältnis zu den USA

Früherer Präsident hofft auf Wandel durch bevorstehende
Präsidentschaftswahl

Osnabrück. Altpräsident Christian Wulff hat sich besorgt über die
politische Entwicklung in den USA und das Verhältnis zu Europa
gezeigt. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“
(Donnerstag) sagte der CDU-Politiker, „es gibt zu wenige gemeinsame
Aktivitäten, zu wenig Dialog“. Die transatlantischen Beziehungen
müssten wiederbelebt werden. Einige Einstellungen in den Vereinigten
Staaten beunruhigten ihn. „Ich denke dabei nicht nur an Donald Trump
als Präsidentschaftsbewerber“, sagte Wulff. „Was wir in Europa an
Konsensfähigkeit haben, fehlt dort inzwischen häufig. Die Amerikaner
erleben eine extreme Polarisierung.“ Auch spiele Geld eine viel zu
große Rolle. Er hoffe, dass die im Jahr 2016 anstehende
Präsidentschaftswahl dazu führe, dass dem Verhältnis zu Europa und
gemeinsamen Vorgehen wieder mehr Gewicht beigemessen werde.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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