NRZ: Die Rosstäuscher aus Wolfsburg – ein Kommentar von PETER HAHNE

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Einen solchen Skandal hat die deutsche Industrie
noch nicht erlebt. Der GAU bei Volkswagen ist umfassend, und bislang
ist nicht einmal klar, ob das ganze Ausmaß der Wolfsburger
Abgas-Affäre bereits aufgedeckt ist. Zwischenbilanz: Bei elf
Millionen Dieselfahrzeugen haben die VW-Ingenieure mit erheblicher
krimineller Energie Abgaswerte gefälscht und so Kunden,
Umweltbehörden und Öffentlichkeit arglistig getäuscht. Weltweit. Das
ist nicht nur unfassbar unverschämt, sondern regelrecht dämlich.
Rätselhaft, warum ein Weltkonzern, der von seinem guten Ruf lebt, ein
derart hohes Risiko fährt, nur um mit besseren Abgaswerten werben zu
können. Wie weit der Schaden reicht, ist nicht absehbar. Die
Klagewelle in den USA ist angerollt. Überall auf der Welt gerät VW in
den Fokus der Behörden. Das VW-Debakel wirft einen Schatten auf die
gesamte (deutsche) Autoindustrie, von der hierzulande jeder siebte
Arbeitsplatz abhängt. Die Wolfsburger haben damit nicht nur dem
Diesel-Antrieb in Verruf gebracht – sondern auch dem Image deutscher
Ingenieure einen schweren Schaden zugefügt. VW sendet zugleich ein
Fanal an die Politik: Hohe Zeit, dass die Umweltbehörden Abgaswerte
endlich unter realen Bedingungen statt nur im Labor prüfen. Wer die
Verantwortung trägt, muss gehen, heißt es aus dem VW-Aufsichtsrat.
Richtig. Kaum zu glauben, dass der als detailversessene Techniknarr
berüchtigte VW-Chef von den Vorgängen nichts gewusst hat. Martin
Winterkorn muss gehen. Ferdinand Piech wird sich freuen.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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