NRZ: Entwarnung? Keineswegs – ein Kommentar von MICHAEL MINHOLZ

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Durchatmen? Durchaus. Entwarnung? Keineswegs! Der
Streik der Lokführer ist abgeblasen, Pfingstreisenden droht nicht
mehr durchgängig Ungemach. Die Gegner reden wieder mit- und nicht nur
übereinander. Es führte kein Weg an einer Schlichtung vorbei; man
darf sicher sein, dass – bei aller ausgerufenen Tarifautonomie – in
den vergangenen Tagen auch aus dem politischen Raum erheblicher Druck
ausgeübt wurde, endlich zu Potte zu kommen. Zu groß geworden war der
Schaden für die Bahn, zu groß der Schaden fürs System Schiene. Es ist
schon ein erheblicher Fortschritt, dass sich Bahn und GDL jeweils
einer neutralen Persönlichkeit anvertrauen. Trotz des gestrigen
unnötigen Polterauftakts wird es die Hauptaufgabe von Schlichter Bodo
Ramelow und seines Kollegen Matthias Platzeck sein, den Fortgang der
Debatte konstruktiv zu begleiten. Und wenn sie nur dafür sorgen,
dass sich GDL und Bahn am Ende eines Verhandlungstages nicht mehr
gegenseitig der Lüge bezichtigen. Viel zu viel Energie wurde bislang
verschwendet, um die öffentliche Meinung auf die eigene Seite zu
ziehen. Das Kernproblem ist freilich mit diesem Tag nicht gelöst, es
wurde nur Zeit gewonnen: Die GDL hat zwar das Zugeständnis erhalten,
Verträge aushandeln zu dürfen, die von denen der Konkurrenz
abweichen. Zugleich stellte die Bahn aber klar, dass sie keine
Mitarbeiter erster und zweiter Klasse dulden wird. Streng genommen
geht dieser Tarifstreit wieder bei Null los. Platzeck und Ramelow
stehen harte Wochen bevor.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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