NRZ: Erdogans Problemlöser – ein Kommentar von MANFRED LACHNIET

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Visafreiheit an sich ist eine prima Sache. Schon
jetzt dürfen Menschen aus zig Ländern ohne große Formalitäten nach
Deutschland einreisen. Wenn die Türken dies bald auch dürfen, ist das
nur folgerichtig. Wenn da nicht der machtbesessene Präsident Erdogan
wäre. Er betrachtet die Visafreiheit als Belohnung dafür, dass er den
Europäern, vor allem den Deutschen, möglichst viele Flüchtlinge vom
Leib hält. Und ganz nebenbei könnte Erdogan per Visafreiheit sein
innenpolitisches Kurdenproblem lösen. Hunderttausende Kurden stehen
in seinem Land unter großem Druck. Gut möglich, dass sie über die
bald bequemere Ausreise nach Deutschland nachdenken. Außerdem gibt es
in der Türkei immer mehr Menschen, die durch den Staatsapparat
verfolgt werden. Auch sie könnten bald leichter in Deutschland Asyl
beantragen. „Flüchtlinge gegen Flüchtlinge“ lautet also der
unanständige Handel. Soll bloß niemand von Moral und Anstand reden.
Und es ist nur heuchlerisch, wenn jetzt ausgerechnet stramme Rechte
gegen den Visa-Deal mit den Türken wettern. Es waren doch
ausgerechnet sie, die die Flüchtlingszahlen drastisch reduzieren
wollten. Überhaupt: Auslöser des üblen Geschachers ist diesmal nicht
Erdogan, sondern es sind die europäischen Staatschefs, die es bislang
nicht geschafft haben, die Flüchtlingsfrage einvernehmlich zu lösen.
Hätten sie im Herbst eine einigermaßen gerechte Verteilung der
Kriegsflüchtlinge organisiert, dann müssten sie jetzt nicht vor dem
Machthaber am Bosporus zu Kreuze kriechen.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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